Soll und Haben

Well I'm a truth addict, oh shit I gotta headrush
(Vietnow - rage against the machine)

Das ist schon blöd, wirklich. Ich kann den Tag drehen und wenden, am Ende ist er wie meine Konten im Soll. Am Ende geschieht ohnehin immer das, was ich will. Glaube ich. Aber sicher bin ich mir nicht. Ach, Herr Sengbusch: Sie faseln hier, drücken sich mehr als kryptisch aus - muss das sein? Nein. Gut, wo fange ich an? Hm. Vorn oder hinten? In der Mitte? B. und ich haben uns getrennt. So. Das ist wirklich ein seltsames Gefühl, weil es mir schon lange klar war, weil ich darauf gewartet habe - und dann geschieht es. Ja. Dass ich in dem Moment so gar nicht belustigt war, ist vermutlich ein wenig untertrieben. Gut, zwei intelligente Menschen wissen, was da passiert, sie machen sich nichts vor. Im Grunde genommen will ich ja auch allein sein, wenn da nicht der Funken Hoffnung wäre, der mir weismachen will, dass ich ganz normal bin und wie alle anderen Menschen eine großartige und dauerhafte Bindung mit einem anderen eingehen kann. Ja, ich weiß: Ich habe diese Hoffnung schon häufiger getötet, als die Sonne morgens meinen Schlaf beendet. Schließlich scheint die Sonne nicht so oft. Am Ende schmilzt Schnee immer in der Sonne: Ich bin zu verschroben, als dass sich Menschen mit mir dauerhaft abgeben könnten. Oder umgekehrt. Vieles von dem, was für mich normal erscheint, betrachten andere als verrückt. Vielleicht bin ich das. Oh, es geht mir damit nicht schlecht, aber der heutige Tag hat mir gezeigt, dass meine Grenzen im zwischenmenschlichen Bereicht sehr eng gesteckt sind. Na, tolle Erkenntnis für den 18., nein, es ist ja schon der 19. März, ich habe das alles festgehalten und vergesse es ohnehin schnell wieder. Und dann? Ja, Mensch, was weiß denn ich. Dass ich ein chronischer Einzelgänger bin, ist keine bahnbrechende Neuigkeit. Alles haben, aber nichts geben wollen - das ist kein gutes Motto. Und mit Geschichten und Gedichten kann ich auch keine Herzen kaufen. Äh. Streichen sie das.

Hrmpf. Dann lese ich bei M., dass sie Sex plant und ich kann nur den Kopf schütteln, sie anrufen und rügen. Komisch, dass das nun auch noch in meinem Tagebuch Platz findet, aber es hat mich wirklich irritiert. Wie kann man so etwas planen? Ein Treffen, ja. Ein Fußballspiel, eine Geburtstagsfeier - klar. Meinetwegen auch einen Kino-Abend. Was auch immer - aber keinen Sex. Beischlaf. Hm. Das beschäftigt mich wirklich. So etwas zu planen. Zu planen? Überhaupt etwas zu planen, das finde ich schon schwierig. Schwierig. Und dann noch so etwas Komplexes. Hm. Nein, das finde ich sonderbar, wirklich.

Ins Bett? Nein, noch nicht. Mein Kopf ist noch so wach, ich kann nichts dagegen tun. Außerdem. Nein. Aber ich werde mich noch ein wenig treiben lassen, der Tag lässt mir keine Ruhe. Morgen steht viel Arbeit an und vielleicht bin ich am Abend dann sogar noch in Ahrensburg. Mal sehen, ob ich das schaffe. Und den ganzen Tag mit "Vietnow" im Kopf, das war gut. Vielleicht bin ich doch im Haben am Ende des Tages.

Grüße? Och, doch. An M., ich bleibe bei 95 Prozent und erhöhe am Mittwoch. An O., ich habe die Karten vergessen, aber ich schicke sie morgen - und dann noch an E., vielleicht klappt es ja wirklich. An AltA auf dem Heimweg und noch einmal an B.: Welten und Galaxien dazwischen und es ist alles Blödsinn.

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