Wein und Gummi

Gut, ich beende den Tag ausnahmsweise mal vor Mitternacht. Zumindest habe ich es mir vorgenommen. Hui Buh liegt schon seit Stunden auf meinem Schoß und versucht mich mit penetrantem Schnurren zum Gang ins Bett zu überreden. Ein wenig wird sie sich noch gedulden müssen. Ein wenig. Nicht zu lange. Glaube ich. Vermutlich. Ich werde mich beim Schreiben beeilen, wenn das geht.

Ein interessanter Tag. Ja. Vielleicht trifft das den Kern oder kommt ihm zumindest nahe. Als ich zwischenzeitlich auf die Titelseite der Zeitung sah, war ich plötzlich voller Stolz. Ein Gefühl, dass ich schon lange nicht mehr hatte. Ob nun zu Recht oder nicht, sei dahin gestellt. Vielleicht liegt es auch daran, dass ein Verein aus einem ganz anderen Landkreis ein großes Abo geschaltet hat. Überraschend, aber so großartig. Eine zahlungskräftige Form der Anerkennung. Und dann telefoniere ich, rufe sie alle an und frage höflich, ob denn die Spiele ausfallen werden. Vier sind abgesagt, vier finden noch statt - und nachdem ich die halbierte Vorschau geschrieben habe, fühle ich mich erneut großartig. Woher kommt das? Weil ich etwas geschafft habe? Zweifelsfrei kann ich es nicht erklären, weder mir noch jemand anderem. Aber ich bewege mich zurzeit in eine gute Richtung, denke ich. Vieles bewegt sich, vieles ist gut geowrden in den vergangenen Tagen, gut und richtig. Schön, wirklich.

Worte fallen, sie purzeln, plumpsen oder rieseln. Klappt das nicht, erbreche ich sie, spucke sie aus oder huste sie aufs Papier. Im Zweifelsfall werfe ich sie an die Wand und hoffe, dass aus den verbalen Fröschen Prinzessinen werden, die in meinem Kopfbett mit mir schlafen und Gedankenkinder zeugen. Und am Ende suche auch ich das ewig Neue, das niemals müde wird mich wach zu kitzeln, um mich schläfrig zu machen.

Das fiel mir gerade aus den Fingern und es gehört ins Tagebuch. Ganz sicher.

Und traf ich mich heute mit G., vielleicht ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Die Zuversicht in meine Zeitung kommt von allen Seiten, sie wächst und hat viele Gesichter. G. will mir helfen - im eigenen Interesse, denn er ist mit der jetzigen Situation unzufrieden. Sollte alles klappen, so wie ich es mir wünsche und vorstelle, dann wird die Zeitung doch noch zu etwas ganz Großem. Aufgeregt und aufgewühlt bin ich nach solchen Gesprächen, glaube dann, dass ich die Welt bewegen kann und nicht nur mich selbst. Mich selbst und eine Handvoll Fußballer. Ja, ich denke, da ist noch mehr in mir. Klar ist da mehr. Vielleicht ist da sogar viel mehr, aber alles braucht seine Zeit, alles muss gedeihen. Ungeduldig bin ich, will schon jetzt weiter sein als ich bin. Aber das alles braucht Zeit. Schade.

Eine halbe Flasche Rotwein gehört mir und eine halbe Schachtel mit Weingummi. Danach werde ich hoffentlich schlafen können, tief und fest. Vielleicht sehe ich mir noch einen Film an, ich bin mir nicht sicher. Das Bett werde ich heute Nacht in jedem Fall genießen, das weiß ich.

Grüße: An Alta, so bedeckt war ich noch nie und werde trefflich schlafen. An B., weil Du sicher schon schläfst und morgen hoffentlichgesund bist. Wäre mir im Umgangston auch deutlich lieber. An meine Katze, weil Du einfach die beste Pelztochter von allen bist und bleibst. Und schließlich an all die, die so oft hierher kommen. Ich glaube, ihr tut mehr für mich als ich für euch.
Oh, und: Während des Schreibens hörte ich "Roads" von Portishead, "The man with the child in his eys" von Kate Bush, "A stranger" von a perfect circle und "Gabriel" von Lamb.

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