Komplett verkrochen

Lange, schon lange gab es so eine Nacht nicht mehr. Nicht mehr. Die Arbeit zog sich endlos hin, ich wusste wirklich nicht, wo ich war - und warum alles so zähflüssig lief. Alles. So. Zäh. Nicht flüssig. Bis heute Morgen um kurz vor sechs. Weil dann zwei Stunden später der Zimmermann kommen sollte, der meinen Balkon repariert, habe ich mich nicht getraut, einfach einzuschlafen. Es hätte auch gar nicht geklappt, ich war viel zu wach. Um sechs Uhr. Und um acht Uhr auch noch, selbst als der Handwerker mit der Arbeit begann, war an Schlaf noch nicht zu denken. Eine halbe Stunde später bin ich dann zusammengesackt, habe nichts mehr wahrgenommen, nicht einmal die Kreissäge oder die Hammerschläge, kein Telefon, nichts. Ein paar Stunden Schlaf, was für ein Geschenk zum Montag. Auf Sonntage wie den vergangenen kann ich verzichten, freiwillig und farblos. Ich habe den Tag heute verpasst, ich wollte ihn verpassen, ich musste ihn. Froh bin ich, wenn ich die Gleichgesinnte bald vom Bahnhof abhole, froh, weil sich dann in mir einiges glätten wird. Ein wenig Bewegung und eine Menge Wärme. Das kann ich heute gut gebrauchen, das wird mir den Abend zum Himmel machen. Der Teufel auf Abwegen, aber das ist an so einem Tag dann auch nicht mehr wichtig. Müde. Nicht nur der Körper, der ganze Armin ist einfach müde. So müde. Müde. Morgen geht es weiter, ich mag noch nicht daran denken. Keine Atempause, Luft zu holen ist vorerst untersagt.

Ich freue mich auf den Samstag, auf die Lesung. Zwei Geschichten, dir mir Spaß machen, bei denen ich auch Spaß beim Lesen haben werde. Zwei Geschichten. Schön. Am 29. Oktober wird es ähnlich laufen, wenn auch mit anderen Geschichten. Es ist gut, diese Verbindung gefunden zu haben, wie ehrenhaft ist es nach wie vor von I. gewesen, mich wärmstens zu empfehlen. Ehrenhaft. Ja. Das finde ich noch immer sehr großartig, vielleicht kommt irgendwann der Tag, die Stunde für einen realen Dank. Wer weiß.

Ich werde nun hastig waschen. Mich. Schließlich will ich noch zum Bahnhof und dabei halbwegs zivilisiert aussehen. Halbwegs. Neun Minuten habe ich noch, wenn das Wasser nicht auf sich warten lässt, dann schaffe ich es auch. Los.

Rasch Grüße. An AltA und das kleine A. - wie fein, dass ihr an den Freitagabenden euren Spaß hattet. An meine Katze, die verschollen ist oder einfach genervt. Seltsam, diese Abwesenheit. Und an die Gleichgesinnte mit allem, vor allem und für alles. So. Dusche. Mal sehen, ob ich dort noch einen Blick in die Zeitung werfen kann.

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