Mauern und andere Ablehnungen

So. Die Feiertage habe ich hinter mich gebracht. Feierabende waren es, wenn ich genau bin. Und ich habe Beweise für meine Aktivitäten, ja. Zumindest was den Freitagabend in Kiel anbelangt gibt es ein deutliches Zeichen für meine, hm, Dummheit. Oder die Fähigkeit, in einer anderen Welt zu leben und Dinge einfach nicht zu sehen. Eine Wand ist in der Regel ein Hindernis, das nicht einfach so aufaucht oder verschwindet. Eine Wand. Und ich wollte nur mein Handy aufheben. Vielleicht lag es am Caipirinha, vielleicht an meinen Augen: Aber ich bin mir sicher, dass die Wand vorher nicht dort war. Nicht. Nein. Aua. Mein Kopf schmerzt noch immer, der Wandkontakt war heftig und hat eine kleine Wunde hinterlassen, die sicher zu einer Narbe wird. Fein. Die Aussicht auf ein neues Mal an meinem Kopf freut mich wirklich. Irgendwann habe ich so viele Narben am Kopf, dass ich mit den Geschichten darüber ein Buch füllen werde. Eine gute Idee. Ja. Oh ja.

Dabei hatte der Abend in Kiel durchaus mehr zu bieten als einen verbeulten Kopf, denn am Ende konnte ich wieder lächeln und lachen. Über Männer, über die Eifersucht und Missgunst. Wirklich, sie sind mitunter seltsam, die Kerle. Unterhalten sich stundenlang untereinander über Beruf und Autos, ärgern sich im selben Moment darüber, dass ich mich mit den Frauen über Ally McBeal, Keanu Reeves und die Schwierigkeit Beziehungen zu führen spreche. Hm. Niemand hatte den guten R. dazu gezwungen, sich mit Männern zu unterhalten - aber der Neid aus seinen Worte war deutlicher zu hören als der Regen an den Fenstern. Hm. Seltsame Menschen. Wirklich verstehen kann ich sie nicht. Nein, ich kann es nicht, selbst wenn ich es versuche. Sie malen sich grau an und fragen sich hinterher, wo all die Farbe geblieben ist. Ich kann es ihnen sagen. Oder ich könnte es. Ich dränge mich nicht auf, jeder soll nach dem eigenen Plan Glück und Zufriedenheit suchen. Aber mir am Ende der Nacht vorzuwerfen, ich erzähle Dinge, die niemanden interessieren, das war schon ein Augenblick zum Lächeln. Für mich. Vorher hatte ich mit den zahlreichen S.' und mit C. diverse Gedanken ausgetauscht, viel gelacht und am Ende habe ich sogar noch getanzt. Hu. Bewegter Abend. Ja, das war es. Und die Erkenntnis, das mein Heimatplanet viel zu weit entfernt ist. Viel zu weit. Aber dicht genug für eine Mauer.

Der Samstag war voller Kopfschmerzen, mein Hirn muss ebenfalls gegen eine Wand geprallt sein. Dass zu allem Überfluss auch noch die Heizung ausgefallen war und ich nicht einmal duschen konnte, ist mehr als ärgerlich. Kalt und klamm habe ich mich durch die Arbeit gewühlt, habe aber dennoch alles geschafft - und in der Zwischenzeit haben die Handwerker ganze Arbeit geleistet, die Heizung wieder repariert und mir ein ausgiebiges Duschbad beschert. Immerhin. Und wenn H. nicht angerufen, mich noch einmal an seine Feier erinnert hätte, ich wäre wohl zu Hause geblieben. So aber habe ich mich noch einmal auf den Weg gemacht. Ins Nachbardorf. Mit den Kopfschmerzen war es weniger lustig in der Küche zu stehen, dafür hatte ich meinen Spaß mit dem Nudelsalat und im Wiederfinden von alten Bekannten, die mich aber ob meiner Mütze und meines stillen Ecken-Daseins nicht erkannten. Mir macht das nichts, ich weiß, dass sich die Dinge einfach ergebe. Und ich wollte nach gut einer Stunde schon wieder gehen, um mich ein wenig auszuruhen. Aber. Ja, gut. Dann doch noch genug Gründe zum Lächeln, denn I. und C. erkannten mich schließlich doch noch, was dann in einer Flut von Worten und Erinnerungen endete. Mein Kopf rauscht noch immer. Puh. Fast 20 Jahre ist das alles her und vielleicht komme ich jetzt noch an eine Kopie meiner Abi-Zeitung, im Gegenzug werde ich ein paar Fotos aus einem Jahrbuch einscannen und verschicken. Wie spannend. Die einfachen Dinge.

Immer noch zu denken gibt mir der Abend in Kiel. Ich weiß um die Abehnung, die mir andere Männer entgegenschleudern, ich bin es gewohnt. Aber so deutlich habe ich es noch nicht erlebt, gehört, gefühlt. Anstrengend. Ich suche den Fehler bei mir, nicht bei anderen. Vielleicht ist mein Verhalten provokant, denke ich. Vielleicht sollte mich hin und wieder auch mit Männern über Fußball und Börsenkurse unterhalten. Oh, dass es auch andere Themen gibt, hat mir F. gezeigt - ein bemerkenswerter Mann, mit es leicht war, zu lachen und auch mal ein paar ernstere Themen zu kitzeln. Es geht, keine Frage. Aber der Rest des Geschlechts wirft mir Ablehnung entgegen. Wie eine Mauer. Vielleicht habe ich mir daran den Kopf gestoßen, nicht an etwas Realem. Nein, ich denke, mein Kopf traf die Mauer, mein Herz prallte gegen Ablehnung. Männer. Hm. Ich gehöre in gewisser Hinsicht nicht dazu. Ich bin irgendwo dazwischen. Irgendwo. Zumindest so lange, bis ich meinen Planeten gefunden habe.

Grüße. An I. und C. und die Erinnerungen, an S. mit dem Dank für das entspannende Nachtlager, an S. - nicht aus Konstanz - an S., die mich hoffentlich nicht ins Gefängnis steckt und an die Kapuzenzuzieherin C., an F., den Segler und auch an R. und T. - jeder geht seinen eigenen Weg. Außerdem noch an meine Katze und an meinen Kopf. Und jetzt werfe ich mich in die Arbeit, das Schlachtgetümmel wartet. Glaube ich.

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