Unter und über

Ich fange mit einer guten Nachricht an: Der Stand meines Geschäftskontos beträgt heute rund 16.900 Euro - einfach großartig, ich habe mir den Kontoauszug ausgedruckt. Die schlechte Nachricht lautet, dass eine fehlerhafte Überweisung eines Anzeigenkunden mein Konto drastisch ins Haben trieb: Freiwillig bin ich ehrlich gewesen, habe mein Konto zurück ins Minus und den Betrag an an Absender geschickt. Schade. Für ein paar Sekunden war alles wundervoll und prächtig, deshalb machte das Ausdrucken des Kontoauszuges aus auch Sinn: Wenn ich mal wieder vollkommen am Boden bin, dann werde ich meine Augen auf das Stück Papier bannen und mir vornehmen, dass ich dort hin will. Schließlich war ich schon einmal dort - wie auch immer. Fast 17000 Euro im Plus. Unglaublich. Mist, das sah wirklich gut aus und ich kann mir nun vorstellen, wie sich Wüstenwanderer fühlen, die einen Fata Morgana sehen und ihren Irrtum erkennen. Macht ja nichts.

Puh. Schlecht ist mir auch noch: Ich habe mich an Karamel-Schokolade bereichert. Nein, nicht mich selbst, sondern meinen Verdauungstrakt. Ein absolut unsinniges Unterfangen, das nun Übelkeit nach sich zieht. Unsinnig war das Unterfangen deswegen, weil ich mal wieder maßlos war. Das sollte ich unterlassen. Oder ich überlasse es anderen. Überall und überirdisch. Unterirdisch ginge auch, aber das wäre überhaupt nicht nach meinem Geschmack. Gusto könnte ich es auch nennen, aber das klänge mir dann überkandidelt. Oder ich hielte mich für unterbelichtet, weil ich unter all den Worten kein überaus passenderes finden kann, als jenes. Aber das habe ich jetzt überhört. Oder ich unterminiere mich mal selbst. Ach, das macht Spaß, so kann ich auch den Untergrund verlassen und mich selbst überfliegen. Oder so. Trotzdem ist mir noch schlecht und Kopfschmerzen habe ich auch.

Ich kämpfe weiter, auch wenn ich mir immer noch nicht sicher bin, ob es auch Sinn macht. Zwar höre ich von allen Seiten, wie großartig meine Zeitung ist, aber die wenigsten scheinen das auch wirklich zu glauben - oder wollen dafür bezahlen. Zu allem Unbill kommen auch noch die Menschen, die sich zwar anmelden aber dann nicht bezahlen und auf meinem Konto kleine Bomben zünden. Das ist ärgerlich. Ach, ich soll mich nicht so anstellen, sagt mein zweites Ich. Ja, sehr witzig: Sicher klingt das alles ein wenig dramatisch, aber dabei untertreibe ich sogar noch. Pu. Das ist alles anstrengend. Sehr anstrengend. Und ich bin müde. Und genervt. Und die Sonne geht unter. Die ist bestimmt auch überanstrengt. Oder unterfordert. Ich will Ruhe. Nur ein paar Tage Ruhe. Ein paar Tage. Ach.

So. Ich ordne jetzt meinen Kopf. Vorher gibt es noch Grüße. An alle Geburtstagskinder. Kinder. Ja. Und an die Sonne dahinten. An AltA mit dem Blick auf Donnerstag und an meine Neurodermitis: Nicht schön, ich wieder zu sehen. An B., weil es ohne gar nicht geht. Oder nur manchmal. An meine Mutter und an die "Ripper Thames" - aber die wissen gar nicht, dass es sie gibt. Wer meine Kopfschmerzen haben möchte, schickt mir einen frankierten Rückumschlag: Ich antworte umgehend.

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