Die Nacht der Gewohnheit

Ich wusste es nicht, aber es war mir klar: Vollmond. Kein Wunder, dass ich gestern Nacht nicht schlafen konnte. Selbst der Zweifler in mir wird in solchen Nächten überzeugt, eine Einbildung ist ausgeschlossen, der Mond und ich sind verwandt. Oder zumindest so eng miteinander bekannt, dass wir uns füreinander interessieren. Ja. Keine Frage. Um vier Uhr war ich fest entschlossen, mal die eine oder andere Minute zu schlafen. Oder zumindest einen Versuch zu starten, mich vielleicht auch schlafend zu stellen. Nein. Nichts. Bis um sechs Uhr blieb ich wach, knappe sechs Stunden Schlaf später war ich dann wieder wach. Hm. Gut, nicht wirklich wach, aber die Nacht habe ich überstanden. Vielleicht wird es heute besser, wenn ich bei der Gleichgesinnten nächtige, aber daran glaube ich nicht. Zum einen hat die Gleichgesinnte eine ähnliche Affinität zum Mond wie ich, zum anderen kenne ich meinen Körper und seine Verbindung zur Käsescheibe - sie ist hartnäckig. Jetzt bin ich gerade müde, jetzt. Wenn ich aber jetzt schlafe, dann weiß ich auch, warum ich heute Nacht wach liegen werde. Auf der anderen Seite sollte ich in diesen Tagen den Schlaf nehmen, den ich kriegen kann. Jeden. Müde. Ein schönes Wort. Und so allgemein gültig.

Hui Buh liegt direkt neben mir, sie lächelt im Schlaf. Ich war heute Nahmittag kurz davor, sie einfach abzulecken. Äh, ja. Ich habe es nicht getan, keine Frage, aber sie schafft es immer wieder, dass sich von einer Sekunde auf die andere mein Herz komplett öffnet. Wie eine Muschel. Auf und alles rein und raus, Bewegung in der Herzkammer, ein volles Leben und rauschende Blutbahnen. Und das wegen einer Katze, was für ein Fest für Herz und Kopf, die Augen im haarigen Rausch des Pelzes. Hrmpf. Schon wieder eine Liebeserklärung, die sie nicht lesen wird - aber sie weiß ja, wie es um mich bestellt ist. Und sie lächelt, wenn sie schläft. Berührte ich sie jetzt, dann bliebe sie einfach liegen, würde nicht einmal die Augen öffnen. Mehr Vertrauen kann ich wohl nicht bekommen. Denke ich.

Und wenn ich für eine halbe Stunde schlafe? Nein, das klappt nicht, das weiß ich.

Noch zwei Wochen, dann habe ich Ruhe. Noch zwei Wochen und dann gehören die Wochenende mir, dann kann ich mich endlich um die Musik, um das Schreiben und um andere Dinge kümmern. Die Seite will ich dringend überarbeiten, die Blutlinien will ich ausarbeiten und ein paar kleine Veränderungen müssen auch noch sein. Nichts Gravierendes, aber eben so nette Kleinigkeiten, die mir den Aufenthalt noch angenehmer machen. Ideen gibt es genug und bald gibt es auch die Ruhe, um sie umzusetzen.

Äh, zehn Minuten schlafen. Nur zehn Minuten. Ich bin wirklich müde.

Hm. Vielleicht lege ich mich jetzt wirklich flach, aber es gibt noch Grüße. An die Gleichgesinnte - wie schön, wenn die Wohnung wirklich so großartig ist. Und an das kleine A. auf der Insel inklusive eines späten Glückwunsches zum Bestandenen Dings, na, Du weißt schon. An AltA und an meine Katze, die ewig Lächelnde. Und jetzt nur zehn Minuten, wahrscheinlich weckt mich dann doch wieder das Telefon und jemand macht eine Umfrage über Kachelöfen oder Urlaubsbekleidung.

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