Wenn schon...

...dann auch richtig. Nachdem ich gestern Abend scherzhaft erklärte, ich könne die Karten ja auch in mein Tagebuch einkleben, habe ich mich heute entschieden, das auch tatsächlich zu tun. Einkleben funktioniert natürlich nicht nicht, aber einscannen und einbinden: So in etwa...

Was dann auch belegt, wann und wo ich gestern Abend gewesen bin. Nur für den Fall, dass mich jemand wegen irgendwelcher Taten zur Rechenschaft ziehen will. Ich habe ein Alibi und B. kann das bestätigen. Die komische Frau vor mir mit den blondierten Haaren - was sollte sie auch sonst blondieren - wird es auch bestätigen, wenn auch widerwillig. Schließlich habe ich fortwährend über sie gelästert. Ein Schandmaul, rufe ich mir selbst zu und zeige sogar mit dem Finger auf mich. Na und? Das ist doch das, was Spaß macht, wenn ich abends weggehe. Oder es ist zumindest ein Teil des Spaßes. Und ich habe wieder einige der Menschen gesehen, die ich selbst als "Highlander" bezeichne - aber darüber will und muss ich noch eine Geschichte schreiben. Herr Goldt machte mir jedenfalls Spaß, nicht nur deshalb, weil seine Vorlese-Stimme so angenehm warm in meinen Ohren klang, sondern weil er offen über sein urologisches Problem sprach. Nicht viele Männern können das und auf der britischen Insel frage ich schamvoll danach, wo ich mir die Hände waschen kann. Herr Goldt stellte dafür hingegen eigens sein Programm um, damit er vor der Zugabe seine Blase erleichtern konnte. Ungeschickt, denn dadurch war das rhythmische Klatschen aus zwei Gründen überflüssig: Zum einen wollte er ja ohnehin wieder kommen, zum anderen konnte er den Beifall gar nicht hören - es sei denn, es gibt in Alma Hoppes Lustspielhaus Toiletten, die den Lärm des Saales übertragen. Das muss dann mitunter furchtbar sein, aber darüber will ich mir jetzt keine Gedanken machen. Fakt ist, ich habe den Abend genossen, auch wenn er aufreibend begann, aber spätestens mit dem perfekten Parkplatz war dann auch alles gut. So in etwas. Danke B., der Abend war gelungen.

Und heute Morgen empfängt mit Brechreiz. Nicht, dass ich das Falsche gegessen habe, nein. Heute Morgen hatte ich entsetzliches Szenen im Kopf, weil im Radio eine Meldung verlesen wurde: Auf der Klassenreise ist ein Junge beim Skifahren tödlich verunglückt und nun wird geprüft, ob der Lehrer seine Aufsichtspflicht verletzt hat. Hm. Ich habe keine Ahnung warum, aber mir geht das Nahe. Mal abgesehen davon, dass ich mir seit dem ersten Hören der Meldung fortwährend bildlich vorstelle, wie der junge Körper Bekanntschaft mit dem Baum macht, vielleicht ein Ast ihn durchbohrt, mal abgesehen davon, dass ich das Geschrei hören kann, das Drama der Eltern und nicht zuletzt die quälenden Gedanken der Lehrer, die sie bis in die Unendlichkeit verfolgen müssen, mal abgesehen von all diesen Dingen habe ich keinen Bezug zu dem Jungen. Ich kannte ihn vermutlich nicht, nein, ganz sicher nicht. Aber trotzdem habe ich nun schon den ganzen Tag Kopfschmerzen. Fragt mich jetzt jemand, warum das so ist, kann ich das unmöglich erklären. Und dann fällt mir wieder M. ein, der kürzlich sagte, ich müsse härter werden. Ganz ehrlich? Das geht nicht. Männliche Energien solle ich nutzen, so sagt es jedenfalls M. - und ich weiß nicht einmal, ob ich das will. Nein-nein, ich muss keine rosa Strohhalme in meiner Cola haben, ich trinke auch mit einem blauen, aber ich muss nicht hart werden. Oder härter. Nein. Sicher nicht.

So, ich muss mich mal wieder an die Arbeit machen - auch wenn heute mein freier Tag ist. Eigentlich. Naja, das Thema hatte ich ja schon zur Genüge. Nicht jammern, etwas schaffen. Also los. Musik.

Und zum letzten Mal: Danke B.

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