Gedankenflut

Was für ein Tag. Nachdem ich gestern geflohen bin, habe ich mich heute all dem Unbill gestellt. All dem Unbill, all dem Unfug. Ich stelle meine Leser vor die Wahl: Zahlen oder verzichten - und sie werden verzichten, das steht für mich nach dem heutigen Tag außer Frage. Ich bin enttäuscht, deprimiert, ernüchtert. Vielleicht auch ein wenig erleichtert. Vielleicht. Schließlich habe ich so viel Zeit investiert, mehr Zeit, als ich jemals für irgendetwas, irgendjemand sonst investiert habe. Nun soll Schluss sein? Ich kann es noch immer nicht glauben, ich mag es noch immer nicht glauben. Aber ich muss der Wahrheit ins hässliche Gesicht sehen. Vielleicht geschieht in den kommenden Tagen noch etwas, die Hoffnung ist noch da. Noch. Vielleicht wendet sich das Blatt im Februar. Und mein Kopf platzt, ich mache mir Gedanken. Natürlich. Keine Frage. Gedanken. Es ist mein kleines Baby, diese Zeitung. Mein Baby. Und nun lasse ich es sterben. Nein, nicht ich allein, ich habe sehr viel dafür getan, dass es lebt, dass es überlebt. Geklappt hat es nicht, noch nicht. Schlafen, ich möchte nur noch schlafen. Nur noch schlafen. Weinen. Vielleicht auch. Aber so recht gelingt mir das nicht, die Tränen sind da, wollen aber noch nicht raus. Auch gut. Das muss letztlich nicht sein. Dieses Ende, so es denn kommt, hat einen Sinn. Hat einen Sinn. Und dann werde ich sehen, was geschieht. Puh, so viele Gedanken. So viele Gedanken. Gedanken, überall. Und ich kann nicht abschalten. Aber ich werde.

Fast ein wenig untergegangen ist sie, die Nachricht von der Druckerei: Heute riefen sie mich an, ein netter Mann, der mit mir alles noch einmal durchging. Jetzt bin ich gespannt, jetzt bin ich aufgeregt, ob denn auch alles so klappt, wie ich es mir vorstelle. Vorstelle. Ja. Morgen werde ich die Titelseite hier einstellen, dann erinnere ich mich jeden Tag daran, was ich geschafft habe. Dann bleibt mein Kopf vielleicht auf den Schultern. Dann vertreibe ich vielleicht auch die Kopfschmerzen. Hämmernd. Hilfe, ich weiß nicht, was nach diesem ganzen Wust kommen wird. Kommen wird. Ach. Mensch. Muss das sein. Im Grunde genommen sollte ich mich freuen, das Buch ist auf dem Weg in den Druck, wird bald veröffentlicht sein - und gleichzeitig stirbt meine Zeitung. Vielleicht ist das ein Zeichen. Hrmpf. Esoterik und Mystik, ich grüße euch. Nun, ich werde es sehen. Bei der ganzen Ablehnung, die mir heute entgegenschlug, bin ich in diesen Stunden wahrlich froh, wenn die Zeitung endet. Endet. Aus. Und Platz für andere, neue Dinge. Und wieder für das Schreiben, das ich so gern mag. So gern. Hm, und so weit davon entfernt bin ich. Bah, und jetzt kann ich die Tränen gerade gar nicht gebrauchen. Gut, dass ich nicht mit Tinte schreibe.

So. Noch was? Nein. Es sind zu viele Gedanken. Viel zu viele. Ich werde sie ordnen, B. wird mir unfreiwillig dabei helfen. Vielleicht sehe ich morgen klarer. Vielleicht.

Grüße. An AltA - ich weiß nicht alles, aber wenn, dann bin ich schnell. Glaube ich. An B. und den Farb-Drucker, an meine Augen - besonders mein rechtes - und an die Waschmaschine. Außerdem grüße und danke ich allen, die in den vergangenen Stunden noch eine Nachricht schickten. Danke. Und auch wenn es mir schlecht geht, fühle ich mich gut dabei. Wie das geht? Hm, vielleicht verrate ich das Geheimnis bald mal. Vielleicht. Ist ja auch im Grunde genommen kein Geheimnis.

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