Champignons

Was für eine Woche: Ich glaube, so viel habe ich noch nie gearbeitet - und das meine ich ernst. Ich habe auch viel geschafft, keine Frage. Und abends fühlte ich mich regelmäßig vollkommen vernichtet, um dann am nächsten Morgen wieder den Kampf aufzunehmen. Weiter gekommen bin ich, da bin ich mir sicher: Das Skript meiner Zeitung wird besser, aber es ist noch so viel zu tun. Ob es dann auch wirklich etwas bringt, kann ich nicht sagen. Ein wenig mutlos bin ich, desillusioniert und enttäuscht von vielen, die mich hintergehen. Das ist wirklich ärgerlich, hinterhältig, hinterlistig und macht mich schließlich auch noch wütend. So wütend, dass ich heute ein Hallenturnier gar nicht erst mit meiner Kamera besuche, weil mich der Organisator komplett belügt oder belogen hat. Das Leben ist hart, Herr Sengbusch, haben sie das nicht gewusst? Doch, das weiß ich. Aber enttäuscht und genervt bin ich dennoch. Verärgert. Naja, dafür lerne ich, wie man programmiert, das ist doch mal etwas Sinnvolles. Vielleicht schreibe ich dann bald ein Buch über Programmierungen im Kopf oder im Herzen - eine interessante Verbindung, der Quellcode ist dann sicher sehr begehrt.

Bah. Und dann der gestrige Abend, der ohnehin schon unerquicklich war, weil B. so gar nicht in der Nähe sein konnte. Zu allem Überfluss kippe ich mir die mühevoll geschnitzte Champignon-Suppe über den Schreibtisch. Prima. Die Tastatur duftet noch immer großartig, ich glaube, eines der Telefone hat sich mit der Creme aus dem Staub gemacht und die Tischplatte klebt trotz mehrfachen Abwischens noch immer. Der Mann meiner Mutter hat mich früher immer angeschrieen: "Guck hin, wenn Du etwas machst!" Ja-ja, habe ich dann immer geantwortet und es auch so gemeint. Gestern hätte er ruhig mal schreien können - meine Ohren hätten es ohnehin nicht gehört, ich höre ihm gar nicht mehr zu. Aber ich hätte ihm später sagen können, dass er doch mal lauter werden könnte und hätte einen Schuldigen gehabt. Champignon-Suppe. Auf meinem Schreibtisch. Guten Appetit.

Bis um vier Uhr habe ich heute Morgen gearbeitet, ausgeschlafen bin ich beileibe nicht, aber ich beiße die Zähne zusammen und fahre nun los, klemme mir meine Kamera vor das Auge und versuche ein paar großartige Fotos zu machen. Ach, Quatsch: Ich versuche es nicht, ich werde es einfach tun. Und sollte die Zeitung wirklich nicht überleben, so habe ich auch noch Fotografieren gelernt - was für ein Fest der Gedanken. Naja. Feste sehen anders aus. Und wenn AltA in diesen Tagen nicht wäre, dann hätte ich gar nichts zu lachen. Ja, der Leidende, der König ist wieder da. Die Untertanen sind rar geworden, sie geben sich nicht zu erkennen. Macht nichts. Dank AltA klappt das mit dem Buch, der Vertrag ist unterschrieben und wenn das Werk in den Druck geht, dann werde ich hier das Titelblatt veröffentlichen und ein paar Eckdaten. Kantendaten gibt es wohl nicht. Schade.

Ich bin spät dran, Mist. Gut, dann beeile ich mich eben. Grüße. Nach Pommerby - Mensch, was ist denn das für ein Ort? An ALtA - wortlos. An meine Katze, die in der gestrigen Nacht wohl etwas Positives gesehen hat, an A. auf der britischen Insel - meine Antwort kommt, etwas Geduld - und an M.: Wir treiben auseinander, Arbeit und Freundschaft kann man vermutlich nicht trennen. Verflucht. An B., weil das wirklich kompletter Blödsinn ist und an die Champignons: Ihr habt wirklich süß ausgesehen gestern Abend. Wer sich wundert, sollte sich ein Wunder zulegen - ich bin nicht komisch, ich bin verärgert.

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