Prostitution

Ach, ich mag es nicht, wenn ich mich so anbiedern muss. Bitte, danke, das ist wirklich nett, nein, ich kann das auch gern anders machen, eine Lösung findet sich da immer, außerdem habe ich die Preise zum Jahreswechsel ein wenig gesenkt. Puh. Ich bitte Sie, Herr Sengbusch, das klingt ja furchtbar devot. Ja. Furchtbar. Aber es muss eben auch manchmal sein, immerhin habe ich heute wieder einen Anzeigenpartner gewonnen und da macht so ein Verhalten auch Sinn. Glaube ich. Schließlich will ich etwas. Das ist dann im Grunde genommen wie früher, als ich meine Eltern um mehr Taschengeld anflehte. Oh, 20 Mark im Monat waren damals eine Menge, mit zehn Euro im Monat wird sich heute kein 14jähriger mehr abspeisen lassen. Mein Betteln hat damals nichts genützt, die Gartenarbeit war mir zu lästig und das Waschen des Autos war immer wenig sinnvoll in meinen Augen. Das ist es auch heute noch, keine Frage. Aber heute verhandle ich auch mit vernünftigen Menschen, die mir weit mehr als zehn Euro im Monat geben. Allerdings auch nicht für Gartenarbeit. Hu. Ich habe mich vermutlich weiterentwickelt, auch wenn das dem Mann meiner Mutter noch nicht aufgefallen ist. Macht ja nichts, andere Menschen sind mir wichtiger und die bemerken mich und die Veränderungen.

So, wo war ich? Äh. Ach so. Entspanntes Arbeiten heute, nicht nur wegen des kleinen Erfolgserlebnisses. Nein. Ich bin ruhig und gelassen, die Nächte tun mir gut, ich bin produktiv und auch schon wieder kreativ. Das ist wichtig, wirklich. So viel geschafft heute, so viel bewegt, das Layout vom Buch ist fertig und ich habe es schon AltA geschickt. Es kann nicht mehr lange dauern, dann werde ich den Druck in Auftrag geben - vielleicht noch ein paar Wochen. Mal sehen. Aufgeregt, aufgeregt, aufgeregt. Mein eigenes Buch in der Hand halten. Feine Sache. Wirklich. Da wird mir immer wieder kribbelig.

Ärgerlich. Das beste Ypsilon von allen verhält sich kindisch. Oder einfach merkwürdig. Vielleicht sollte ich mir auch kein Urteil erlauben, vielleicht sollte ich schweigen. Grundsätzlich. Ich sollte zu eben jenem Thema kein Wort mehr verlieren, zumindest nicht ihr gegenüber. Das ewige Hin und Her nervt mich, keine Frage. Und das Weglaufen vor der Konfrontation erst recht. Und wenn irgendetwas gut ist, dann kann es nicht gut sein, weil es ja gut tun könnte. Ach. Das ist wirklich noch wirrer als mein Kopf. Denke ich. Viel wirrer. Und ich bin genervt. Vielleicht ist das ungerecht, ich weiß es nicht. Aber so, nein, so geht es nicht. Wirklich nicht.

Was mich in diesen Tagen wirklich ärgert: Die Nächte werden wieder kürzer, die Dunkelheit nimmt langsam, unmerklich ab. Langsam. Ich kann es fühlen, noch nicht sehen. Aber der Gedanke an die zwar lauen, aber kurzen Sommernächte ärgert mich. Nie wird es richtig dunkel, warum kann es nicht genau anders herum sein? Die lauen Nächte sind lang, im Winter bleibt es dafür länger hell und die Nächte sind schnell vorüber. Vielleicht könnte dann in diesem Zusammenhang auch gleich die Zeitumstellung abgeschafft werden, ich wäre wirklich dankbar. So ganz begriffen habe ich den Unfug mit der Uhr immer noch nicht, obwohl ich mir ein paar Berichte darüber durchgelesen habe. Alles Unsinn ist das - in meinen Augen. Alles Unsinn ist das, was ich mache - in anderen Augen. Mit dem Unterschied, dass ich nicht das Licht der Welt verändere, in dem ich alle Menschen einen Stunde zu früh wach werden lasse. Bah. irgendwann werde ich jemanden finden, der das einmal ändert. Oder ich bin irgendwann so borniert, dass ich auf die Zeitumstellung keine Rücksicht mehr nehmen muss.

Ich. Ja. Ach, doch: Grüße. An das beste Ypsilon von allen mit einem Kopfschütteln, an AltA mit dem Dank im Voraus und an alle Erkälteten. An meine Katze mit dem Fingerzeig auf den noch vollen Teller, an meine Mutter mit Kinderschokolade und an alle weiblichen Nieser. An B., an den kleinen König und an Frau Feenblau - ich bin schon unterwegs. Der Einwurf, dass meine gute Laune nicht ansteckend, sondern deprimierend sei, wird von mir geflissentlich überhört oder mit einem Lächeln bedacht. Hier, bitte. Lächeln. Ei, freundlich bin ich heute auch noch, was für eine Überraschung.

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