Monstren, Mumien, Mutationen

Wenn es nach mir ginge, dann singen heute alle das Lied "Fiddle And The Drum". Wenn es nach mir ginge. Seitdem ich im Büro sitze, lausche ich der Stimme von Maynard Keenan, bin verliebt darin. Was für ein Tag: Der Rechner ist noch nicht fertig, aber immerhin kann ich ihn morgen endlich abholen. Endlich. Die Arbeit mit den Fotos ist nun wirklich nicht ganz unwichtig und bis ich all die lästigen Programme installiert habe, wird auch noch etwas Zeit vergehen. Dafür ist morgen dann Zeit, hoffe ich. Um 10 Uhr kann ich den Rechner abholen, dann hole ich noch das beste Ypsilon von allen und dann bin ich gespannt, was sonst noch so geschieht. Die Arbeit bleibt in diesen Tagen oft liegen, ich habe wichtigere Dinge, die ich vorziehe. Und so war ich heute unterwegs und kaufte Geschenke ein. Nein, das stimmt gar nicht: Ich war Begleiter beim Einkaufen. Gemeinsam mit B. irrte ich durch Harburg, immer auf der Suche nach dem einen oder anderen Geschäft. Alles gefunden? Hm. Fast. Und ich mittendrin im Weihnachtsgeschenkerauschrummel. Und ich habe es überlebt, vielleicht ist Weihnachten besser als ich dachte. Vielleicht. Ich lasse mich noch nicht zu einer positiven Einstellung verleiten, halte aber die Augen nach einem Lichtblick offen.

Und ich bin mal wieder in Eile. Und zu spät bin ich auch noch. Zumindest nach meiner Zeitrechnung. Und ich bin noch ein wenig verärgert, weil ich den Rechner noch nicht habe. Ach, das ist jetzt mal vorbei. Beschließe ich. Schließlich hatte ich genug andere Höhepunkte heute: Ein mittäglicher Schlaf unter der Wolldecke - das ist wirklich schon lange her, ich kann mich nicht an so einen Vorfall erinnern. Eine Tüte Kettle-Chips, die nach wie vor das Beste sind. So viel Gelächter, dass ich mich schon gar nicht mehr an die Irrungen und Wirrungen durch die Hamburger Vorstadt erinnern kann. Ich habe Monstren, Mumien, Mutationen gesehen und fühlte mich an das dritte Programm erinnert. Und schließlich hat mir noch ein alter Mann erklärt, dass der Aufzug nur dann kommt, wenn ich den Kopf lange drücke. Mit Gefühl, vermutlich. Die Technik merkt so etwas, da bin ich ganz sicher. Später hatte ich ihn und seinen Wagen vor meinen Augen und glaube, dass er auch ganz lange drückt. Was auch immer. Zugewunken habe ich ihm aber nicht mehr, mein Kopf war noch zu sehr mit dem Fahrstuhl beschäftigt, in dem sich auch noch andere Menschen befanden, die offenbar nicht glauben konnten, dass dieses Gefährt nur zwei Stationen kennt: Oben und unten. Oder um die Fachtermini zu benutzen: Erdgeschoss und erster Stock. Wenn es keine weiteren Knöpfe gibt, dann gibt es auch keine weiteren Haltestellen. Im Bus ist das anders, glaube ich. Und so steht die dreiköpfige Familie wohl noch immer im Fahrstuhlkäfig und wartet auf den Keller. Oder auf eine direkte Route in den Himmel. Ich habe keine Ahnung und wundere mich immer wieder über die Menschen. Ja, und die Menschen wundern sich sicher auch über mich. Ein stetes Wechselspiel und ich weiß nicht, wer davon mehr profitiert. Hoffentlich ich.

So, nun aber hurtig: Die abendliche Dusche wartet schon auf mich. Grüße. Ja. An den alten Mann mit dem langsam Finger und dem langsam Fuß, an das beste Ypsilon von allen und an T., der meinen Rechner hoffentlich nicht im finalen Testlauf noch zerstört hat. An AltA, sowieso. Und an B., weil Schnickschnack und Blödsinn eine ganz neue Bedeutung bekommen. Fein. Und dann noch an meine Katze, deren Geduld so endlos ist wie ihr Gezeter. Ich schicke meine Gelassenheit durch das Dunkel, vielleicht trifft es ausnahmsweise mal die Richtigen. Meine letzte Lächel-Sendung scheint verloren gegangen zu sein.

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