Rettung und Ordnung

Langsam, ganz allmählich tritt Entspannung ein. Nicht zuletzt Dank AltA, die mir heute den größten Stein von der Seele, die größte Blockade aus dem Kopf nahm. Jetzt ist der Montag, der so grässlich begann, doch noch zu einem guten Tag geworden. Oder um es treffender zu formulieren: Der Tag fällt in die Kategorie "sehr ordentlich". Zwar habe ich keine Passfotos bekommen, weil meine CD nicht ordentlich gebrannt war, zwar ist das Ersetzen des Foto-Rechners auch noch aus anderen Gründen fehlgeschlagen, aber morgen ist er dann doch da. Komplett und so, wie ich haben will. Wunderbar, der Arbeitsplatz ist gerettet und ich kann wieder in den Fotos wühlen. Einfach großartig. Vielleicht hänge ich mir den toten Rechner irgendwo an die Wand, sozusagen als abschreckendes Beispiel für die noch lebenden, denkenden Blechkisten. Vielleicht drapiere ich ein paar der verschmorten Einzelteile auf dem Schreibtisch - nein, das wäre dumm, denn ich bin beim Aufräumen.

Ja, ich bin dabei, alles aufzuräumen. Warum? Warum? Ja, warum räume ich auf, das ist eine gute Frage, schließlich habe ich monatelang in diesem Chaos gelebt, warum dann jetzt? Besuch? Nein. Ich will meine Ruhe. Innen und außen. Ich weiß, dass ich den 25. Dezember allein, entspannt und ruhig verbringen werde und wenn ich im Bett liege, mich in der Wohnung umher bewege, dann will ich nicht sehen, was ich noch erledigen muss. Noch erledigen muss. Nein. Ich will einfach nur das tun, wozu ich Lust habe. Spazieren liegen - ich danke unbekannterweise für diesen Terminus. Die Tage bis zum Fest verbringe ich demnach überaus beschäftigt, aber voller Entspannung. Ganz ehrlich: Ich freue mich, wenn hier wieder Ordnung herrscht. Naja, herrschen wird sie nicht, aber sie zieht ein. Immerhin. Hallo Ordnung, schön Dich zu sehen.

Ich war gestern wirklich froh, dass die Arbeit sich zusehends minimierte, der Elan geht heute auch schon gegen Null. Gestern konnte ich mich noch knapp oberhalb der energetischen Wasserlinie halten, habe aber leider auch zwei oder drei Berichte vergessen. Einfach vergessen. Mein Kopf fliegt vermutlich noch immer wie ein Luftballon umher, leider habe ich vergessen, einen Zettel an die Schnur zu binden. Einen Zettel mit meinem Namen. Vielleicht finde ein Kind meinen Kopf, weiß damit nichts anzufangen und wirft ihn in einen Mülleimer. Vielleicht wächst mir auch ein neuer Kopf, der schöner und besser ist. Oder ich hatte vorher noch keinen. Alles Unfug? Nein-nein, ich bin noch immer kopflos und fasele wirres Zeug, ich bin getroffen von diversen Pfeilen und Blicken, habe mich noch immer nicht erholt. Acht, und das will ich auch gar nicht. AltA bemerkte heute, dass ich so selten anzutreffen sei. Ja, das ist wohl war. Viel unterwegs und fast schon mit gewöhnlichen, bürgerlichen Attitüden an den Abenden gesegnet. Zu allem Überfluss schlafe ich nachts und esse ganz normal - mein mühsam aufgebautes Selbstbild des wirren, depressiven Künstlers zerbröckelt. Ach, wie schade. Am Ende darf ich mit dieser Außenwirkung das Buch nicht veröffentlichen: Soll ich mich wieder unter der Bettdecke verkriechen, Trübsal blasen und Blut spucken? Och. Nö. Ich glaube nicht, dass ich das zurzeit besonders schön finde. Vielleicht im Sommer. So unbedrängt. Ungefähr. Vielleicht 2017. Beinahe. Bis dahin habe ich auch sicher eine neue Matratze. Stimmt, die brauche ich auch noch, aber das ist kein Grund für eine Depression. Glaube ich.

So, Herr Sengbusch. Heute schon gelacht? Ja, intensiv. Sogar mehrfach. Deshalb möchte ich mich ins Gespräch bringen und mich selbst daran erinnern, dass meine Treppe 13 Stufen hat und der verfrühte Sprung von der siebten Stufe eventuell auch mal katastrophale Folgen haben kann. Mensch. Glück gehabt und trotzdem gelacht. Oder so. Oh, und angeblich kleckere ich beim Reden - worauf die Menschen in meinem Umfeld so achten. Mein Halbbruder verdankt mir heute sein Leben, denn ein Tag in der Kälte kann auch zum Ableben führen. Aber, bitte: Ich will keinen Dank, manchmal handle ich auch unüberlegt. Was war denn noch? Ach so, meine Katze hat sich in den Kopf gesetzt, mich mit der Futterwahl zu nerven: Na, dann wollen wir doch mal sehen, wer die schärferen Krallen hat. Pah, ich schlafe heute Nacht nicht zu Hause, dann soll sie mal sehen, wo sie mit ihrem Gequengel bleibt. Der Teller ist voll, dafür brauche ich nicht einmal die Kraft des positiven Denkens.

Alles im Chaos und doch so ordentlich. Fein. Heute ist ein Tag für viele kleine Danksagungen, nicht für Grüße. Ein Start mit Hui Buh, einer geöffneten Tür und einer Schwanzhose - großartig. In diesem Sinne danke ich B. für das Nuscheln und meinen Ohren für die Sprachwandler. Der allumfassende, gewungte Danke an AltA: Wie fein, wenn erst die SFA - ja, diese Abkürzung lasse ich gelten - am 28. kommt, das wird das eigentliche Fest. Oh, dann noch der Dank an T., der mir heute geholfen hat und auch noch investieren will - der helle Wahnsinn. Ja, die Dunkelheit ist fort. Und schließlich noch mein Mitgefühl für J.: Die Zeiten sind hart, ich weiß das. Na, aber doch noch ein Dank an meine Katze für die Farbe in meinem Leben. Wer ein gutes System kennt, mit dem ich meine hoffentlich bald eingezogene Ordnung konservieren kann, der schickt mir die Lösung. Bitte. Ich danke und fände das sehr ordentlich. Ach, die Skala erkläre ich morgen mal.

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