Tannengedanken

Bin ich. Jetzt. In diesem Moment. Ganz leise. Ungewöhnlich genug, aber ich werde ruhiger. Vielleicht auch langweilig. Vielleicht ist das Arbeitsjahr einfach auch fast vorbei und ich freue mich auf ruhige Tage. Das wird es sein. Ein wenig müde, ein wenig erschöpft, die Arbeit liegt hinter mir, die Dusche und ein entspannter Abend stehen mir bevor. Und ich lächle, bin entspannt. Ja, das klingt doch gut, Herr Sengbusch. Schon wieder kein Grund zum Klagen? Och, doch: Ich habe in der vergangenen Nacht wenig geschlafen und Frau Feenblau hat kuriose Dinge erlebt. Gut, dass so eine Blechkiste nicht plötzlich schamrot wird, wie ich gestern Abend auf der Feier. So etwas soll vorkommen. Mein Kopf im zarten Rot. Fast schmuck, aber sehr heiß. Außen. Innen aber auch.

Ah, ach ja, heiß. Ich habe schon den dritten Advent in meinem Kopf, morgen folgt das Bild zu diesem unsäglich Ereignis. Ach. ja, ich bin ja nicht so übellaunig in diesem Jahr und sehe sogar dem Fest der Liebe entspannt entgegen. Aber. Bitte? Ja, warum kaufen die Menschen denn schon jetzt Weihnachtsbäume? Das beste Ypsilon von allen erzählt, dass ihr Vater immer den Baum schon Anfang Dezember besorgt und ihn dann, schrittweise, an die angenehmen Temperaturen im Hausinneren gewöhnt. Eine beheizte Garage hat der Mann, dafür ist im Kopf aber Eiszeit angesagt. Macht ja nichts, Hauptsache, der Baum ist bereits gekauft und nichts kann mehr schief gehen. Sollte ich irgendwann einmal einen Baum brauchen, dann schlage ich ihn im Wald mit einer Bratpfanne nieder. Teflon, daran bleibt nichts kleben, weder Baumblut noch Nadeln. Oh, ich habe nicht alle Nadeln an der Tanne - behauptet meine Katze gerade. Aber auf die höre ich nicht, die sitzt heute Nacht wieder im Wald zwischen den Tannen. Die Baumflüsterin. Und überall auf den Autodächern sah ich grüne Bäumchen wackeln. Warum schon jetzt? Warum nicht am 20. Dezember. Oder am 23. Dezember? Mensch, das verstehe ich wirklich nicht. Vielleicht, weil ich keine beheizte Garage habe. Dafür aber einen roten Kopf. Weihnachten. Naja. Herrjeh, ich wollte unter die Dusche und den Abend genießen. Na, das mache ich jetzt auch.

Grüße. An Ally und Larry - oder so ähnlich. Immerhin war ich mal wieder auf einer Party, fein. Ein Lächeln auch für den seltsamen Mann, dessen Namen ich nun endlich weiß und ich aber immer noch nicht den Grund für seine Intoleranz erkennen kann. Und dann noch an B., für die Geduld und das andere. Schnickschnack, Mensch. Ah, und dann bitte noch an das beste Ypsilon von allen: Du machst das wirklich tadellos. So. Und werde ich mich bewässern, vielleicht fange ich doch noch an zu blühen - oder ich werde eine Tanne.

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