Zellengenossen

Alles in meinem Kopf und nichts in den Fingern. Nichts durch die Finger, auf die Tastatur oder aus meinem Mund. In meinem Kopf. Nachdenkliche Tage und ich stecke mit mir in meinem Kopf. Nein, nun nicht mehr, jetzt schreibe ich ja auch wieder. Ein wenig müde bin ich, das Jahr könnte gern schon vorbei sein. Gern. Aber ich will nicht zu viel klagen. Und wenn, dann tue ich das später, wenn ich in der Badewanne sitze.

Ach ja, die neue Ehrlichkeit. Naja, es gibt dann doch immer noch mal Ausrutscher und ich bin verärgert. Über mich. Keine Frage. Dumm genug bin ich immer noch. Dumm genug zu glauben, dass ich mit einer kleinen Unwahrheit weiter komme als mit der kleinen Ehrlichkeit. Die kleine Ehrlichkeit zwischendurch. Ein Fallstrick, der mich am frühen Sonntagmorgen fast mein Herz gekostet hat. Selbst Schuld bin ich, war ich. Wieder einmal. Und - natürlich - weiß ich hinterher alles ganz genau, bin ich mir im Klaren darüber, was ich da für einen Unsinn gemacht habe. Nein, ich frage mich jetzt nicht, warum ich das nicht gleich mache, warum ich nicht ehrlich bin und die Konsequenzen trage. Toll, Armin: Kluge Reden und dann, wenn es darauf ankommt, an den eigenen Worten ersticken. Gut, genug der Selbstgeißelung, ich ändere. Mich. Ich räume auf, auch meine Einstellung den Menschen gegenüber. Ich verändere. Mich. Und meinen Kopf. Auch wenn das, was darin ist, in vielen Dingen und Situationen ganz passabel ist. Himmel, mein Kopf. Und mein Herz. Manchmal steckte ich sie gern in eine Zelle und brächte sie dazu, sich mal gründlich auszusprechen. Aber einer von beiden hat immer keine Zeit. Oder keine Lust. Oder die Zelle ist nicht abgeschlossen. Vielleicht ist der Gedanke auch Unsinn. Ich werde noch einmal darüber nachdenken.

Wo war ich? Ach, hier. Aufräumen. Frau Feenblau hat abgenommen. Zwangsweise, Ich habe aufgeräumt und bin zufrieden. Wirklich. Aber. Hm. Nein, nichts aber. Es gibt noch viel mehr aufzuräumen und mit dem Flaschenpfand kann ich mir einen ruhigen Lebensabend machen. Lustig, dass mir kaum jemand das Chaos glaubt, bis er es nicht selbst gesehen hat. Und ich habe noch nie so viele leere Flaschen und Eistee-Tüten auf einem Haufen gesehen. Wobei ich für Letztgenannte ja auch gar kein Pfand bekomme, leider. Ich könnte mir eine Eisteefabrik kaufen, wenn es so wäre. Frau Feenblau ist sauber, meine Wohnung noch lange nicht. Ich komme auch nicht dazu, immer kommt mir Arbeit und etwas anderes dazwischen. Mensch. Und wenn ich dann auch noch Termine vergesse, dann darf ich mich auch nicht wundern, wenn neben meiner Wohnung auch mein Leben im Chaos versinkt. Ich soll Fotos machen: Vorher und nachher. Von meinem Schlafzimmer und von meinem Büro. Das dürfte funktionieren. Von meinem Leben klappt es sicher nicht. Nein. Mensch, und ich wollte doch gleich in der Wanne liegen. Nein, so geht das nicht.

Grüße. An das beste Ypsilon, mein Beistand ist Dir sicher. An die kleine Göttin und den kleinen König. An die Badewannenspender - ach, ihr seid zu zweit getrennt. An meine Katze - nicht immer so grinsen, wenn ich Gitarre spiele. An B. - noch mal. Und dann noch an Ally, auch wenn der Geburtstag noch weit entfernt ist. Habe ich noch jemanden - ach ja, richtig: An S. in Kiel, weil ich heute während der Autofahrt so herzhaft über die Hochzeitsfotos gelacht habe. Ich danke. Dir. Und jetzt habe ich noch ein paar Minuten Trockenheit, bis ich zum ersten Mal wieder schrumpeln darf. Ein Erkältungsbad. Ach ja, ich bin erkältet, beklage mich und versuche zu leiden. Bitte kein Mitgefühl, ich sterbe doch noch nicht. Mein Husten geht um die Welt. Oder durch die Lunge.

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