Fallschirme

Kopfschmerzen und Nasenbluten: Schön, dass die Überlastungssymptome nun gepaart auftreten, das macht das Klagen deutlich einfacher. Ein Tumor könnte es ja auch sein - so zumindest die fast schon brillante Idee von M., die meine Begeisterung für diese potentielle Diagnose nicht teilen konnte. Dann hätte alles ein Ende, dann wäre es überschaubar und dann bekäme alles einen Sinn - denke ich, wobei ich weder die Diagnose wahr werden lassen möchte noch eine Grundsatzdiskussion über Krankheiten beginnen will. Meine Sicht der Dinge ist schräg, meine morbide Ader durchbricht in diesen Tagen die Schallmauer - und der Bremsfallschirm ist bereits gerissen. Ich war zuversichtlich, ich hatte wirklich angenommen, dass es langsam bergauf geht, aber ich glaube, ich verliere den Überblick. Ich sehne mich nach dem beheizten Sitz im Taxi zurück und nach den schmerzenden Kellnerfüßen, die ich besonders in den Samstagnächten spürte. Es war einfach, ich war einfach, das Leben war einfach und beschränkt, meine Gedanken aber unbeschränkt. Als ich heute Mittag erwachte, hatte ich den Kopf voller Ideen, vor meinen Augen trieben Schneeflocken im Sonnenlicht und ich war für einige Sekunden im festen Glauben, dass alles gut wird. Einige Sekunden. Als ich die Augen öffnete, war alles wie immer. Nein, es ist alles schlimmer. Das beste Ypsilon von allen leidet, die eigenen Probleme werden größer und ich bin nicht in der Lage zu helfen. Das zerstört mich zweifach - als ob ein Mal nicht genug wäre. Es zerstört mich, weil ich nicht in der Lage bin, ihr das zu zahlen, was sie verdient und es zerstört mich, weil ich nicht die Kraft habe, um ihr meine Schulter zu leihen. Es ist erniedrigend, ich fühle mich gescheitert. Nein, ich mache ich weiter, ich trage den Kopf noch auf den Schultern, niemand kann in mir abschlagen. Manchmal wäre es aber ganz nett, wenn das geschähe.

Und wenn das Zucken im Oberschenkel nicht gleich endet, ende ich.

Ich bin noch immer ein wenig müde und ich habe heute bei weitem nicht das geschafft, was ich wollte. Der Abend gehört mir und nicht der Arbeit, alles ausschalten, alles raus aus meinem Kopf und morgen mit frischen Gedanken an den Schreibtisch. Entweder ich mache immer noch zu wenig oder ich mache schon längst zu viel. Ich bin mir mal wieder nicht sicher. Und wenn ich etwas ausschalten möchte, dann sind es diese Kopfschmerzen.

Grüße. An B., die mir ein Lächeln auf die trockenen Lippen zaubert und an AltA - das wird ein guter Nachmittag. An die Frau aus dem Nachbarort - ich halte weiterhin Ausschau - und an das beste Ypsilon von allen, für die ich nie genug tun kann. Irgendwann dann doch. An C., ohne die alles zusammenbricht und manchmal ist eben alles. Anders. Genau. Das Lächeln, das mir hin und wieder entgleitet, schenke ich euch, die ihr hier regelmäßig lest. Kaum zu glauben, aber wenn ich sehe, wie viele Menschen sich täglich hier verirren, gibt es mir Kraft.

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