Übellaunig oder nicht

Es tat gut, lange zu schlafen. Sehr lange. Auch wenn ich spät ins Bett ging: Um zehn Uhr wachte ich auf, fühlte mich besser als am Abend zuvor. Ich denke, ich habe der aufsteigenden Erkältung gezeigt, dass ich mich nicht einfach überrumpeln lasse. Nein, nicht von derartig lästigen Viren. Nicht jetzt, wo ich mir einen Ausfall meines Kopfes wirklich nicht leisten kann. Wirklich nicht. Mein Kopf ist gereinigt und geschoren, ich fühle mich aber dennoch schlecht. Übellaunig ist das richtige Wort. Dabei. Ach. Ich sollte mich nicht so anstellen, ich sollte mich mal wieder zusammenreißen. Zusammen. Mensch. Ich habe heute schon viel geschafft und ganz nebenbei zwei neue Musikstücke eingestellt - und ich weiß immer noch nicht, welche Version mir besser gefällt. Immer noch nicht. Ja, gute Güte: So übellaunig bin ich doch noch nicht, meine Launen wechseln einfach zu schnell. Im Grunde genommen geht es mir ja auch gut, aber ich suche momentan fortwährend nach Haaren in der Suppe, wobei ich kaum welche finden kann. Aber wenn ich eines finde, dann schmeckt mir nichts mehr. Gar nichts. Garstig. Im Grunde genommen darf ich mich auch nicht beklagen: Ein Dach über dem Kopf, ein warmes Bett, Menschen, die mich wirklich lieben gibt es auch, meine Katze ist der zickende Pol und ich habe noch genug Tee im Haus, um mich zu ernähren. Nein, ich muss mich wieder besinnen, aufhören in den großen Dimensionen zu denken, in denen ich mich noch vor Monaten unfreiwillig bewegte. Letztlich bewahrheitet sich das, was ich immer gesagt habe: Es muss mir schlecht gehen, damit ich gut bin. Nicht zu schlecht, aber wenn ich satt bin, gibt es keinen Grund, um hungrig auf der Suche nach Gedanken und Geschichten zu sein. Denke ich. Leid ist Nahrung für Kreativität - diesen Satz habe ich mir heute Morgen unter der Dusche aus dem Mund tropfen lassen. Ja, und ich denke, damit habe ich auch Recht.

Ich mache mich wieder an die Arbeit, ich habe noch so vieles, was ich erledigen muss. Am Ende wartet ein Abend mit C. auf mich, der mir meine Kopfschmerzen nehmen wird. Das weiß ich schon jetzt und kann mich darauf freuen, da scheint dann vieles ganz leicht von der Hand zu gehen. Hm. Das ist gut. Ja. Und ich muss mir mal darüber Gedanken machen, wovor ich die ganze Zeit Angst habe und warum der Impuls kommt, über das Weglaufen nachzudenken. Ich vermute, es liegt daran, dass es mir zu gut geht, dass es zu einfach ist. Das macht mich misstrauisch. Aber ich bin mir nicht sicher, ich werde in Ruhe darüber nachdenken. In Ruhe. In Frau Feenblau.

Grüße. Ja. An die Frau aus dem Nachbarort, durch den ich nun schon fast paranoid fahre, während ich mich nach ihr umsehe. An das beste Ypsilon von allen, das röchelnd im Bett liegt. An meine Katze, die momentan mehr redet als ich und an den Erfinder des Lollis - großartige Sache, die ich da wiederentdeckt habe. Ich schicke allen, die sich vor dem Montag fürchten, ein Lächeln: Es ist nur ein Tag, der sich darüber ärgert, dass er nicht Sonntag heißt. Denke ich.

Zuletzt geschrieben

Newsletter

captcha