Kleines Glück
Die schönsten Momente erlebe ich im Auto, dort finde ich Ruhe und Frieden. Vielleicht wäre das auch ein geeigneter Ort für die ominöse "letzte Ruhe", wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich in einem Auto beerdigt werden darf. Vielleicht, wenn ich genug Geld habe und das Auto nicht aus Metall ist. Oder so. Die Menschen sind seltsam und erlassen ebenso seltsame Gesetze. Ich halte es zumindest jetzt schon einmal fest, dass ich gern in einem Auto bestattet werden möchte, die Türen und Fenster verschlossen und wenn möglich, dann soll aus den Lautsprecher "Cars" von Gary Numan tönen. Ich werde das alles nicht mehr hören, aber der Gedanken gefällt mir. In meinem Wagen. Wenn ich nach Hause komme, dann bleibe ich oft noch minutenlang daran sitzen, mitunter mache ich das auch, wenn ich zu Terminen fahre, wenn ich Freunde besuche. Ich bleibe sitzen, genieße die Ruhe und sehe durch die Scheiben nach draußen. Mein Reich, mein fahrendes Reich. Schon allein die Tatsache, dass ich mich mit diesem Ungetüm vorwärts bewegen kann, ist für mich unglaublich. Und dann sitze ich im Wagen, sehe mich um und bin begeistert. Als ich heute nach Hause kam und im Wagen blieb, nahm auf einem Ast neben dem Wagen ein Eichhörnchen Platz und starrte mich an. Ich habe zurück gestarrt und irgendwann habe ich gelächelt. Ich glaube, das kleine Tier hat auch gelächelt und die anfängliche Angst verloren, denn als ich ausstieg, blieb es auf dem Ast sitzen. Ich hätte die Hand ausstrecken können, blieb aber ruhig und fing an, mit diesem winzigen Eichhörnchen zu reden. So, wie ich es immer tue. Ich kann mich noch daran erinnern, was ich gesagt habe, ziemlich genau. Vielleicht ist das auch wieder Stoff für eine Geschichte, ich bin mir nicht sicher. Aber plötzlich krabbelte das Eichhörnchen über den Ast hinweg weiter auf mich zu, war nur noch ein paar Zentimeter entfernt. Ich hörte auf zu reden, blieb ganz still stehen und lächelte. Und dann. Und dann machte es den winzigen Sprung auf meine Schulter, schnupperte an meinem Kopf, an meinem Ohr, an meinem Hals, sprang auf den Ast zurück und kletterte den Baum hinauf. Irgendwo hin. Ich habe nicht mehr hingesehen, ich war vollkommen betäubt. Und voller Lächeln. Das, genau das ist Glück. Denke ich. Viel mehr kann mir an diesem Tag nicht geschehen.
Ach, natürlich habe ich gearbeitet und so stundenlang das Erlebte verdrängen müssen und auch jetzt arbeite ich, bevor ich schließlich den Rest des Abends mit C. verbringen werde. Hier mag ich nicht sein, es spaltet meinen Kopf, immer auf die Arbeit zu sehen und fortwährend das Telefonklingeln zu fürchten. Noch ein paar Minuten muss ich durchhalten, dann haben hoffentlich alle ihre Texte geschrieben und abgeschickt und ich kann fliehen. Für ein paar Stunden.
Ach, natürlich habe ich gearbeitet und so stundenlang das Erlebte verdrängen müssen und auch jetzt arbeite ich, bevor ich schließlich den Rest des Abends mit C. verbringen werde. Hier mag ich nicht sein, es spaltet meinen Kopf, immer auf die Arbeit zu sehen und fortwährend das Telefonklingeln zu fürchten. Noch ein paar Minuten muss ich durchhalten, dann haben hoffentlich alle ihre Texte geschrieben und abgeschickt und ich kann fliehen. Für ein paar Stunden.