Lästige Gemeinsamkeiten

Na, nun geht es zu Ende. Ich lasse alles für meine Arbeit sausen, eine interessante Geburtstagsfeier glitt mir somit durch die Finger. Klar, im Grunde genommen bin ich gar nicht traurig, ich hätte mich dort ohnehin nicht wohl gefühlt. Aber es ärgert mich, dass ich mir die Wahl genommen habe. Zumal der Tag wirklich anstrengend war, weil sich alles entsetzlich in die Länge zog. Gegen 20 Uhr war ich plötzlich müde, schlief sogar am Rechner ein. Sekundenschlaf. Zähne zusammenbeißen, weiter. Ich habe durchgehalten. Immerhin. Und nun bin ich nicht mehr müde, das ist anstrengend. Ärgerlich. Nun bin ich wach, habe den morgigen, nein, mittlerweile schon den heutigen Tag vor Augen und bin nun ein wenig genervt. Ein wenig. Und meine Brille, wo ist meine Brille. Ich kann kaum etwas sehen, die Monitore rauben mir mein letztes Augenlicht. So. Jetzt wieder im, nein, mit Glas. Ich bin müde. Im Kopf. Es ist anstrengend.

Mein zweites Buch. Ich denke, ich werde es umschreiben, werde die Seiten, die ich bislang schrieb, vollkommen neu gestalten. Warum. Ja, warum? Der Grundgedanke ist großartig, nach wie vor. Das sich Menschen aneinander angleichen, wenn sie Zeit miteinander verbringen, ist faszinierend. Noch faszinierender erscheint mir dieser Zwang, Gemeinsamkeiten zu finden. Zwanghaft, ja. Ich erlebe das immer wieder. Immer wieder. Menschen lernen sich kennen, um dann plötzlich alles gemeinsam zu genießen. Kino, Fußballspiele, Kartenabende. Es lösen sich Grenzen auf, vollkommen neue Welten werden entdeckt und der eigene Planet verwaist. Unverständlich. Ich kann das nicht verstehen, nein. Natürlich nicht, ich bin ein Egoist, ich achte darauf, dass ich mein Leben behalte, dass ich die Dinge lebe und erlebe, die für mich wichtig sind. Und ich glaube, ich mag den Satz nicht, in dem jemand behauptet, er sei wie die andere. Oder der andere sei wie sie selbst. Wie oder was auch immer. Es ist der stete Zwang nach Konformität, nach einem kongruenten Schwingungsverhalten. Aber. Mensch. Das ist. Aber es ist in meinem Kopf langweilig, wenn zwei Menschen fortwährend dieselben Situationen erleben. In meinem Kopf bleibt da der Stoff aus, mit dem ich Gesprächsteppiche knüpfe. Gemeinsam ins Kino und dann über den Film reden. Aha. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich das einmal getan habe. Muss ich ja auch nicht, ich will auch keine Gemeinsamkeiten. Nur wo Reibung ist, gibt es auch Feuer. Feuer, mein Element. Ich glaube, ich brenne gerade. Hm. Wie meine ich das nun schon wieder? Ich denke, das erkläre ich in ein paar Tagen.

Meine Katze ist eine Göttin. Sie ist meine Göttin. Ich liebe das leise Trippeln, wenn sie durch das Zimmer zu mir läuft, die Mischung aus Miauen und Schnurren, wenn sie sich vorsichtig bemerkbar macht. Vom Blick aus diesen Augen mag ich gar nicht reden oder von den Pfoten, die oft so wundervoll nach Waldboden riechen. Der kleine, warme Körper, der sich nachts auf mich legt. Es ist und bleibt unbeschreiblich. Fast. Denn ich bin mir sicher, dass das Liebe ist. Von beiden Seiten. Auch wenn sie es niemals lesen kann, muss ich das immer wieder aufschreiben. Vielleicht liest sie es ja doch.

Mensch, ich muss schlafen. Der Tag morgen wird mich zermürben, ich befürchte es. Rasch ein paar Grüße. An C. und das Gefühl aus meiner Kindheit, dass ich am besten mit "Weihnachten" umschreibe. An das beste Ypsilon von allen, weil meine Gedanken immer bei ihr sind und an meine zauberhaften Nichten. Meine Katze, grundsätzlich. Allen ein warmes Licht in der Nacht, im Herzen und im Kopf, damit es niemals ganz dunkel wird.

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