Fallsucht
Ich bin ein Roboter. Das ist eine ganz simple Beweiskette, die auf nur einem Satz basiert, den ich heute Abend gehört habe. Diesen Satz hat jeder gehört, der unlängst im Kino war und "I, Robot" mit Will Smith sah. "Ich bin anders", heißt es da und da ich das auch gern von mir behaupte, muss ich ein Roboter sein. Oder der Roboter ist wie ich. Nur ein Gedanke, der mir auf dem Heimweg besuchte. Nein, so begeistert war ich von dem Film nicht, es ist Kino für knisternde Popcorn-Menschen, nichts für diejenigen, die einen Sinn suchen. Aber es ist ein gutes Ablenkungsmanöver für meinen Kopf gewesen, ein paar Momente in einer anderen Welt, alles andere vergessen. Gut. Denn die Tage werden bissiger, reißen meinen Kopf in Stücke, betäuben meine Sinne. Mitunter habe ich das Gefühl, alles zu vergessen, was mich ausmacht, alles zu verlieren, was ich je besaß, alles zu verlernen, was ich jemals gekonnt. Manchmal fällt mir so selbst das Atmen schwer, das Wach bleiben so wie auch das Schlafen. Ich bin irgendwo dazwischen in einer Welt, die ich zwar kenne, die mich aber nicht behagt. Ich muss hier wieder weg, gar keine Frage. Aber ich muss zuvor noch ein paar Dinge erledigen.
Es geht meinem Kopf nicht besser, aber ich habe ihn im Griff. Gleiches gilt für mein Herz, das zwar humpelt, aber noch in der Lage ist, sich zu bewegen. Vermutlich wäre jeder andere in meiner Situation vollkommen zufrieden, aber ich spüre, dass etwas nicht stimmt, dass sich einige Dinge verändern, dass ich mich verändere - in eine Richtung, in die ich nicht will. Umdrehen. Ja, das kann ich. Mache ich aber nicht, ich will sehen, wie dicht ich an den Rand kommen kann, ich will wissen, wie tief es dort hinunter geht. Die Mischung aus Höhenangst und Fallsucht, die mich schon beim Sprung vom Fernsehturm zu schaffen machte. Ich wäre auch ohne Seil von der Rampe in die Tiefe gestürzt. Ein Sprung, ein einmaliger Sprung. Und so ähnlich ist es nun auch: Die Zeitung ist Seil und gleichsam der Boden, auf den ich zustürze. Ich will abwarten, wie weit ich nach unten falle, ob das Seil stark genug ist, ob es überhaupt die richtige Lange hat. Ich werde es sehen. Schon bald, Und nun. Und nun versuche ich zu schlafen, es ist schon spät und die Mücken haben Hunger.
Grüße. An T., mit der Kino immer gut ist. An meine zurzeit penetrant kuschelnde Katze und an C., die vermutlich gerade Waschbären jagt. Alle anderen sollten längst schlafen, ich gebe mir jetzt auch Mühe.
Es geht meinem Kopf nicht besser, aber ich habe ihn im Griff. Gleiches gilt für mein Herz, das zwar humpelt, aber noch in der Lage ist, sich zu bewegen. Vermutlich wäre jeder andere in meiner Situation vollkommen zufrieden, aber ich spüre, dass etwas nicht stimmt, dass sich einige Dinge verändern, dass ich mich verändere - in eine Richtung, in die ich nicht will. Umdrehen. Ja, das kann ich. Mache ich aber nicht, ich will sehen, wie dicht ich an den Rand kommen kann, ich will wissen, wie tief es dort hinunter geht. Die Mischung aus Höhenangst und Fallsucht, die mich schon beim Sprung vom Fernsehturm zu schaffen machte. Ich wäre auch ohne Seil von der Rampe in die Tiefe gestürzt. Ein Sprung, ein einmaliger Sprung. Und so ähnlich ist es nun auch: Die Zeitung ist Seil und gleichsam der Boden, auf den ich zustürze. Ich will abwarten, wie weit ich nach unten falle, ob das Seil stark genug ist, ob es überhaupt die richtige Lange hat. Ich werde es sehen. Schon bald, Und nun. Und nun versuche ich zu schlafen, es ist schon spät und die Mücken haben Hunger.
Grüße. An T., mit der Kino immer gut ist. An meine zurzeit penetrant kuschelnde Katze und an C., die vermutlich gerade Waschbären jagt. Alle anderen sollten längst schlafen, ich gebe mir jetzt auch Mühe.