Gute Besserung

So. Durchatmen. Ich glaube nicht, dass ich alles schaffen kann, aber ich hatte schon immer Spaß am Unmöglichen. Noch 36 Stunden, dann muss ich mit dieser mir selbst auferlegten Arbeit fertig sein, eine Saisonvorschau für unzählig viele Fußballmannschaften. Und ich gebe offen zu, dass ich mich übernommen habe. Wie ärgerlich. Klein anfangen, Armin, und dann größer werden - und nicht anders herum. Allerdings denke ich ja immer noch, dass es gut ist, groß anzufangen, um dann noch größer zu werden. Zumindest ist es das, was ich mir wünsche. Am Ende will ich es dann auch den Skeptikern und ewigen Zweiflern zeigen, den Menschen, die nicht daran glauben, dass alles möglich ist, wenn ich nur meinen festen Willen nicht verliere. Als Träumer wurde schon immer bezeichnet, aber das störte mich nie, ich empfand es als Auszeichnung. Und heute fragt mich genau jener Mensch, der mich vor 16 Jahren lächerlich machen wollte, ob er eine Anzeige schalten kann. Oh, bei einem Träumer. Nein, das habe ich nicht geantwortet. Ich denke, er hat es längst vergessen, ich hingegen lasse alles in meinem Kopf - vielleicht kann ich es irgendwann einmal gebrauchen. Nicht, um es jemandem hinterherzutragen, um ihm immer wieder vorzuhalten, was er oder sie damals getan, gedacht, gesagt hat, nein, ich verwende alles für meine Geschichten. Alles in meinem Kopf. Er wächst. Und wächst. Hoffentlich platzt er nicht, davor habe ich wirklich Angst. Angst. Wirklich.

Ein lukrativer Fototermin heute Morgen, der junge Mann, von dem ich irgendwann mal Geld bekomme, war wirklich sehr freundlich. Beinahe hätte ich mitgelacht, so sehr hüpften seine Mundwinkel. Ein wirklich angenehmer Mensch, der sich von mir verabschiedete mit den Worten "Gute Besserung". Ah. Aha. Ich bin noch immer sprachlos, wenn ich mich in diese Situation hineinversetze. Ich wusste nicht, dass ich so schlecht aussehe, dass ich einen so wirren Eindruck mache, Eine Freundin hat sich darüber vor Lachen ausgeschüttet, ich habe mitgelacht, mein Zweifel blieb aber in mir. So lustig finde ich das gar nicht, mir gibt das zu denken. Auch wenn ich jetzt darüber lächeln kann, dass ich in Zukunft jeden Menschen mit diesen Worten verabschieden werde. Ja, da muss ich nun wirklich lachen. Mal sehen, was daraus wird. Und vielleicht war es auch nur ein Spaß des jungen Mannes. Wer weiß. Aber ich, ich mache mir noch immer Gedanken darüber. Vermutlich stimmt etwas mit mir nicht, es muss einen Grund dafür geben, dass mich die Menschen so seltsam ansehen, dass mir ein fast wildfremder Mensch Genesungswünsche mit auf den Weg gibt. Das ist nicht nicht normal. Nein. Nein, das ist es nicht. Ich werde noch länger darüber nachdenken. Aber. Ja, ich wünsche mir in dieser Hinsicht gute Besserung.

Ich will nun weiter arbeiten. Das Training habe ich für heute abgesagt, aber den Kinoabend mit T. werde ich nicht verpassen. Keinesfalls, Bis dahin kann ich noch einiges bewegen und wenn ich wieder komme, dann werde vielleicht noch ein wenig arbeiten. Der morgige Tag wird rastlos sein, aber am Freitag triumphiere ich. Ja.

Grüße. An S., die den Kopf nicht hängen lassen soll und an das beste Ypsilon von allen, dem ich morgen kraftvolle Gedanken schicken werde. Ja. Und ich grüße M., die ich am Montag nach - puh, wie lange ist das her? - sieben Jahren wieder sehen werde und an alle, die mir eMails schreiben: Die Antworten folgen in der kommenden Woche. Lächelnd stapfe ich nun wieder an den Schreibtisch, genieß die laue Luft.

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