Effektnascherei

Dieses ist ein guter Tag. Das brauche ich nicht einmal zu beschließen, damit ich zu der Überzeugung komme, nein, es heute einfach so. Ich bin entspannt, höre laut Musik und ich fühle mich wirklich wohl. Vielleicht liegt es an der noch angenehmen Temperatur in meiner Dachkammer, vielleicht liegt es daran, dass ich gestern Nacht gut geschlafen habe, vielleicht liegt es an der Musik. Vielleicht liegt es an mir. Und just in diesem Moment habe ich beschlossen, dass, wenn es regnen sollte, ich das Haus nicht mehr verlasse. Heute. Ich müsste weit fahren, um Fotos zu machen, ich müsste in 37 Minuten aus dem Haus. Die Akkus sind geladen, die Speicher der Kamera sind formatiert, jetzt muss es nur noch regnen und ich bleibe zu Hause. Pure Faulheit, das ist klar. Ich habe keine Lust bis nach Melbeck zu fahren, um ein Fußballspiel zu fotografieren. Nein. Sinn würde es machen, keine Frage. Aber. Aber. Aber. Hier ist es gerade großartig und schön, ein Besuch bei einem Fußballspiel risse mich vollkommen aus diesem Wohlbehagen. Nun, es beginnt zumindest dunkel zu werden und ich weiß ja auch, dass es in Hamburg bereits ein Gewitter gab. Und es beginnt windig zu werden, ich mag diese Vorboten, ich mag es, wenn die Bäume plötzlich in Hektik verfallen, alles gerät in Bewegung, Helligkeit wandelt sich in Dämmerung - und dann ist es still, bis der erste Tropfen fällt. Nein, diesen Gefallen tut er mir nicht, der Tropfen. Hier fällt nichts und ich habe noch 26 Minuten, um den Wettergott davon zu überzeugen, dass ich heute keine Lust habe zum Arbeiten. So, das hätte ich weder schreiben noch denken dürfen, denn die Sonne kommt zurück. Gut, ich schließe mit dem Thema "Arbeitsentzug" ab und wandle meine Ansicht, freue mich darauf, ein wenig über Land zu fahren, mich an eine stille Ecke des Platzes zu setzen und ein paar gute Fotos zu machen. Oder bleibe ich doch zu Hause?

Ein simpler "Ja"-Joghurt kombiniert mit Pickerds Schokostreuseln wirkt wie purer Luxus auf mich. Ich habe diese Mischung vor ein Tagen einmal ausprobiert und war begeistert, bin es noch. Den Becher mit Streuseln aufgefüllt, umgerührt und ich bin ganz gerührt von so viel Schokolade in meinem Joghurt. Ich habe auch noch Liliput Schokoladenplättchen in meinem Supermarkt ausfindig gemacht, aber ich traute mich bislang nicht, sie zu verwenden. Ein wenig groß sind sie, wenn auch weich genug für die Mischung. So ein simpler Effekt, den viele teuer bezahlen. Ich nicht, ich glaube, ich muss auch ein wenig sparen. Wie komme ich überhaupt nach Melbeck? Ich meine, wie muss ich da fahren? Ich war im vergangenen Jahr schon einmal da, kann mich aber nicht mehr genau daran erinnern, wie ich dort hinkam.

Ja, ich denke zu viel nach, ist schon klar. Und dann kommt auch immer wieder die Arbeit dazwischen: Nach dem letzten Telefonat brauche ich nun auch nicht mehr loszufahren, jetzt ist der Zeitfaktor der Feind. Oder Freund. Und es gibt wieder viel zu tun. Mal sehen, was ich nun noch schaffen kann, wenn ich mich ein wenig anstrenge. Was mich wirklich anstrengt, sind die Temperaturen. Muntere 37 Grad misst das Thermometer in meiner kleinen Dachkammer, das ist sicher gesund, wenn ich auf einer Holzbank sitzend mit einem Badetuch bekleidet ätherische Öle einatme, zum Arbeiten macht es wenig Sinn. Im Grunde genommen ist es auch nicht in Ordnung vom Wettergott, mir ein herzhaftes Gewitter zu versprechen, um dann mit gnadenloser Hitze fortzufahren. Nein, so geht das nicht: Ich kümmere mich mal ausschließlich um das Wesentliche - das soll ich ja ohnehin tun, sagt C. - und vielleicht schreibe ich später mal ein paar gewichtige Dinge auf.

Grüße. Bevor ich gehe: An das beste Ypsilon von allen, das erst am Montag wieder arbeitet - denn alles andere ist gesundheitsgefährdend. An K., deren Idee eigentlich aus der Süddeutschen Zeitung stammt, was mich aber nicht stört und an die meuchelnde Apothekerin, die hoffentlich nicht mit dem virtuellen DVD-Diebstahl anfängt. Dabei vermisse ich immer noch den "Pakt der Wölfe", aber der wird sich hoffentlich anfinden, wenn ich hier mal aufräume. Ärgerlich. Nicht das Aufräumen, sondern das Fehlen. Und jetzt: frisch ans Werk, lächelnd.

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