Unverhofftes Glück

Gelassen bin ich heute Abend, ich bin dabei, mich wieder zu zentrieren. Finden. Fallen lassen. Gelassen. Es geht mir gut, wenn ich nicht über bestimmte Dinge nachdenke. Bestimmte Dinge. Mein Leben. Ich bin mir fremd geworden, vieles hat sich entwickelt, vieles musste sich entwickeln und sich verändern. Und ich mag Veränderungen. Aber ich habe Angst davor, dass ich irgendwann in einem Betonklotz stecke, aus dem es kein Entrinnen mehr gibt, dass ich mich nicht mehr bewegen kann, weil es unmöglich ist. Grausame Vorstellung, keine Frage. Aber ich denke, dass ich auch stark genug für den Betonklotz sein werde. Ich kann alles kaputt machen, sogar mich selbst - und ich tue es, wenn die Zeit gekommen ist. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, keine Frage.

Diese stillen Nächte werden mich langsam töten. Während in anderen Betten Menschen nebeneinander liegen und dennoch einsam sind, rolle ich mich von einer Seite auf die andere und suche nach Schlaf. Ja. ich wollte heute Nacht früh ins Bett - und ich war auch früh im Bett. Sehr früh. Nur Schlaf, Schlaf habe ich keinen gefunden. Oh, vielleicht ist das Wetter gut, vielleicht ist die Nacht sternenklar. Das werde ich mir mal eben ansehen.

So, das ist jetzt wirklich mehr als unglaublich: Die erste Nacht auf dem Balkon, meine Katze hat den Umzug freiwillig mitgemacht, wir liegen zusammen unter den Sternen. Keine Matratze, das Projekt habe ich nach den endlosen Regenfällen in diesen Tagen längst abgeschlossen. Aber ich hatte fast vergessen, was es für ein Gefühl ist, berauscht von den Sternen unter einer warmen Decke zu liegen. Die Luft ist frisch und angenehm, tut meinem Kopf gut. Und immer wieder geht mein Blick hinauf zu den Sternen. Irgendwo kann ich weit entfernt einen Zug hören, es ist für meine Ohren sogar recht laut in und um meinen Wald. So viel Zivilisation. So viel Lärm. Und immer wieder der Blick nach oben. Unten, hinter dem Wald kann ich die Pferde schnauben hören und meine Katze schnurrt und schnurrt und schnurrt. Das, ja, das ist Glück. Das ist ein Moment, den ich genießen kann, den ich genießen will, den ich immer wieder spüren möchte. Das gibt mir Kraft. Den Rest der Nacht werde ich schweigend verbringend, werde ich mich zurückziehen in meine Gedankenwelt, werde in das funkelnde Dunkel starren und mich glücklich schätzen, dass ich zwei Augen zum Sehen haben. Wer nun noch wach ist, macht am besten einen Schritt ans Fenster oder in den Garten und sieht auf die Sterne. Vielleicht sieht irgendjemand dasselbe wie ich. Schlaf gut.

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