Nächtliches Geplapper

Der Tag ist getötet, ich lebe noch - auch wenn es zwischenzeitlich einmal nicht gut für mich aussah. Nicht gut. Ich muss ein wenig acht geben auf das, was ich esse: Mein Magen reagiert in letzter Zeit sehr sensibel auf meine kulinarischen Eskapaden, der Verzehr der eingelegten Knoblauchzehen hat mich heute nicht glücklich gemacht. Ich bin um eine Erfahrung reicher, möchte aber das zweite Glas, das nun noch im Regal über dem Kühlschrank steht, nicht verkommen lassen. Diese Dinger sind schlichtweg einfach lecker, das kann ich nicht anders sagen, ganz gleich, welche Nebenwirkungen sie haben. Oh, ich denke, es liegt am Öl, in dem sie eingelegt sind. Zu viel Öl ist sicher nicht gesund, die Knoblauchzehen an sich sollten durchaus bekömmlich sein. Denke ich. Aber ich gestehe auch, dass ich von der Ernährung keine Ahnung habe - und ich will davon auch keine Ahnung haben, ich möchte essen, was mir Spaß macht. Bei Obst weiß ich zwar um meine Allergie, aber hin und wieder setze ich mich auch darüber hinweg. Genauso wie ich eine Katzenallergie habe und dennoch meine Nase in das Fell meiner Pelztochter drücke. Es ist mir egal, ich will leben. Das ist es. Aber. Oh, da ist doch noch ein Haar in der Suppe. Aber ich finde im Moment keinen Zugang zu meiner eigenen Philosophie. Ärgerlich. Ich brauche mehr Ruhe, definitiv. Und ich habe Hunger. Jetzt. Kurz vor Mitternacht, kurz vor der Stunde des Teufels. Kann mir mal jemand sagen, wie ich mich für tauglich erklären eine Beziehung zu führen. Mit meinen Rhythmen liege vollkommen außerhalb der Norm, ich entferne mich Tag für Tag weiter von dem, was andere Menschen verbindet. Ich kann mich mit ihnen unterhalten, ich kann mit einen ein paar Stunden Zeit verbringen - und dann ist es wieder da, das unbändige Verlangen allein zu sein, Ruhe, keine Nähe. Und dann, wenn ich Ruhe habe, dann ist es gut. Für ein paar Momente. Dann will ich wieder etwas Nähe. Und die Freiheit so lange zu arbeiten, so lange zu schreiben, wie ich es will. Komm doch ins Bett. Nein, ich mag nicht. Es gab schon diverse Quellen des Streits und von Tag zu Tag bin ich weniger bereit, in den Punkten nachzugeben, die mir wichtig sind. Oder sie sind nicht einmal wichtig, sie sind nur zu dem geworden, was für mich normal ist. Ich müsse mich eben anpassen, wenn ich eine Beziehung führen will, sagt meine beste Freundin. Und sie weiß genau, dass ich das nicht tue. Kompromisse eingehen. Nein, das funktioniert nicht. Spreche ich das aus in einer Runde ach-so-gescheiter Menschen, dann folgt sofort der Satz: Ach, dann hast Du aber die Richtige noch nicht gefunden. Himmel, muss das sein? Ich gebe ja gern zu, dass ich nicht gern allein bin. Nein, anders: Ich bin nicht immer gern allein, aber ich weiß viel mit mir anzufangen, ich kann mein Leben selbst gestalten und habe aufgehört, mich auf andere zu verlassen. Ein Eigenbrötler soll ich sein. Ja, das bin ich vermutlich auch - und ich werde sicher nicht zum Familienvater mutieren. Momentan mutiere ich, zweifelsohne. Zum Teetrinker, aber das hat nichts mit einer Familie zu tun. Und ich weiß jetzt schon, dass, wenn ich jemandem erzähle, mir sofort der Satz entgegenströmt: Aber Du hast doch sonst immer Kaffe getrunken? Ja, und vorher nur Wasser und davor nur Caro-Kaffe und davor nur den Kakao von Bensdorp mit Zucker und davor immer Buttermilch. Es wechselt immer alles, nichts bleibt, alles dreht und wandelt sich. Es ist spannend, ich kann verstehen, wenn andere davon abgeschreckt sind, aber ich kann und will es nicht ändern. So. Denke ich.

Ein paar Minuten noch bis Mitternacht, der Hunger bleibt. Ich würde jetzt gern jemanden anrufen, aber ich weiß genau, dass mir jede Stimme jetzt genau so zu viel, wie mir die Stille zu wenig ist. Ach, das ist grässlich. Und der Hunger. Mensch, morgen muss ich wach und guter Dinge sein, um den Tag zu bewältigen. Ein neuer Tag. Ich muss etwas ändern, irgendetwas. Ich hoffe nur, dass das beste Ypsilon von allen bald wieder gesund wird: Zum einen kann ich es kaum ertragen, dass es ihr so schlecht geht und zum anderen bin ich ohne sie hoffnungslos verloren. Hoffnungslos. Aber das weiß sie ohnehin.

Eben waren es fünf, jetzt sind es noch vier. Minuten. Ich setze nun Wasser auf, mache mir ein paar Nudeln mit einer ordentlichen Tomatensoße. Und dann mache ich es mir im Bett bequem, kaue auf den Nudeln, schmecke die Soße und genieße die Dunkelheit und die Ruhe. Ja. Vorher noch ein paar Grüße. An die Schlaflosen, die sich hier zu später Stunde noch einfinden, die ein Stück der Nacht mit mir teilen. An S., die schon so früh schlafen ging, dass ich fast sprachlos war. An M., der mir dann doch noch hilft, wenn auch in geringerem Umfang und an Kinder, die vermutlich zu später Stunde an der Tankstelle einen Geburtstag feierten - anders kann ich mir diese Zusammenkunft nicht erklären, aber ich gratuliere ohnehin niemandem zum Ehrentag. Schon gar nicht fremden Kindern an der Tankstelle um 22.30 Uhr. Allen eine gute Nacht. Und mir viel Spaß beim Essen.

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