Schlaflösung

Fast neun Stunden im Bett, fast neun Stunden mit geschlossenen Augen, mit offenem, aber ruhenden Kopf zwischen Kissen und Laken verbracht. Es geht mir besser, es ist ruhig geworden. In mir. Keine Wellen der Hitze, keine zittrigen Anfälle mehr, keine Ausfälle des Seh- und Denkvermögens. Ich brauche noch so eine Nacht und ich werde versuchen, sie mir zu nehmen. Es war gut, die Gitarre statt des Tragbaren im Bett zu haben, es war gut, mich wieder auf andere Dinge zu besinnen. Nicht Technik. Nicht immer nur die Technik. Eine mechanische Schreibmaschine. Ich bezweifle, dass ich noch die Kraft hätte, die Anschläge in gewohnter Form zu vollbringen, aber es brächte mich wieder zurück. In der Zeit und im Kopf. Erinnerungen, die schon mehr als 20 Jahre alt sein mögen, die aber ein Lächeln mit sich bringen. Mit zwei Fingern mühsam Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort auf das Papier zwingen, nach einem Absatz unzufrieden, nach einer neuen Zeile fast erbost das Werk vernichten, neu beginnen und beruhigen. Und das Geräusch der Anschläge, das irgendwann im Kopf zu dröhnen begann, so dass ich nachts von jedem Hämmern wach wurde. Gedichte, Geschichte, Gedanken - ich weiß gar nicht mehr, wo ich sie habe. Ein paar müssen in dem roten Ordner sein, der Ordner für vergessene Kleinigkeiten. In dem liegt auch ein gelbes Flugblatt, auf dem ich vor langen Jahren entzückende Zeilen festhielt. Ich muss diesen Ordner noch einmal genauer betrachten und vielleicht finde ich ja noch ein paar frühe Werke, die ich dann hier unterbringe. Wenn ich dann auch noch die Zeit finde. Die Zeit.

Ich war fast eingeschlafen, gestern Abend. Fast. Und dann geschah wieder das, was ich nicht mag und was mir oft genug den Schlaf raubte: Das Telefon klingelte und als ich abnahm, war niemand mehr in der Leitung. Es beschäftigt mich noch heute, weil des die private Leitung war, die Nummer, die nur wenige kennen. Und es nervt mich, dass jemand nach drei Klingelzeichen auflegte. Oder dann, wenn ich mich melde. Gut, dann scheint es nicht so wichtig gewesen zu sein. Rede ich mir ein. Aber. Aber meine Neugier ist immer groß. Sehr groß. Wenn ich wüsste, wer es war, würde ich vielleicht aufhören, darüber nachzudenken.

In der Endlosschleife: "3 libras" von a perfect circle. Und weil ich mich heute schon in Erinnerungen um 20 Jahre zurückversetzte, schreibe ich das auf, was ich früher tat, wenn ich mein Tagebuch kritzelte.
Well I threw you the obvious,
Just to see if there's more behind the
Eyes of a fallen angel,
Eyes of a tragedy.
Here I am expecting just a little bit
Too much from the wounded
But I see,
See through it all,
See through,
And see you.
Dieser Text ist einfach wunderschön und wird vermutlich nur noch von der Stimme übertroffen, die ihn darbietet. Und jedes Mal, wenn ich das Lied höre, muss ich schlucken, weil mir das Ganze Tränen in die Augen treibt. Wunder. Schön.

Langsam werde ich, langsam bin ich wach. Ein langer Tag, ich werde viel arbeiten, werde viele Fotos machen. Ein wenig freue ich mich darauf, auch wenn es mich nervt, dass ich so viel durch die Gegend fahren muss. Das beste Ypsilon wird mich begleiten, das wird es einfacher machen. Warum wir denn nicht zusammen sind, fragen sie mich. Immer wieder. Mir fallen hundert Gründe ein, die alle in mir und meiner Art liegen und ich antworte dann: Weil an meiner Seite niemand überlebt. Stirnrunzeln und ein wenig Hohn kommt mir entgegen. Aber ich habe keine Lust, alles zu erklären. Und es ist wahrlich gut, dass es das Ypsilon gibt. Gefunden. Ohne Zufälle.

So nebenbei habe ich die Foto-Sektionen erweitert und das Interview direkt auf der Startseite verlinkt. Hm. Ich weiß noch nicht, ob mir das nun gefällt und die Foto- Sektionen muss ich nun auch erst einmal auffüllen. Tausende von Bildern auf dem Rechner, aber es wird vielen Spaß machen, das weiß ich.

Oh, die Zeit. Verrinnt, verrinnt. Und auch ich verrenne ich mich - im Schreiben. Ich muss mich ankleiden, schnell. Ich verpasse den Tag, ich verpasse Termine und ich verpasse die Arbeit. Das geht nicht. Darum. Und weil ich es will. Ein paar Grüße: An meinen Kopf, dessen innere Irrwege mich immer wieder überraschen und schockieren. Nach Kiel und die Herderstraße, die ich schon so lange nicht mehr besuchte und dann noch der Gruß an meine Pelztochter mit der Bitte, keine Tiere mehr unter dem Bett zu verspeisen - es klingt einfach grausam.

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