Augentod

Ich hasse es, wenn es draußen hell wird. Furchtbar. Die Nacht ist fast vorbei, ich kann die leichte Veränderung im Licht sehen. Immer noch regnet es, immerhin etwas, das Behaglichkeit verbreitet. Warum muss der Mensch eigentlich schlafen? Gibt es eigentlich Tiere, die auch nahezu ohne Schlaf auskommen? Und wenn: Bin ich mit ihm verwandt? Vermutlich nicht. Es ist Viertel nach drei und ich bin noch immer nicht müde. Ich habe mich abgelenkt, bin durch das Internet gestreift, habe mich umgesehen, skurrile Worte eingeben und festgestellt, dass sie nur ungewollt geschrieben wurde. Für andere sind es Rechtschreibfehler, für mich sind es Kunstwerke. Das Zusammensetzen von Worten, den Dingen einen neuen Namen geben, dem Sinn ein Bild geben. Manchmal klappt das. Und manchmal drehen sich meine Gedanken im Kreis, finden alte Dinge wieder. Vergangene Beziehungen. Noch einmal leben, noch einmal lieben und doch wieder feststellen, dass das Ende damals wie heute unvermeidlich ist. Manchmal muss ich lächeln, wenn ich an die Zeit denke, die schon weit mehr als zehn Jahre zurück liegt. Oder an Australien. Oder an den Tag, an dem meine Pelztochter plötzlich da war. An die alte Wohnung und den zerstörten Teppich, weil sich der Katzennachwuchs nicht aussperren lassen wollte. An die vielen Gitarren, die nun in ganz Deutschland verteilt sind - die rote Fender vermisse ich wirklich. Dumm genug, dass ich mich von ihr getrennt habe, noch dümmer ist es nun, sie zu vermissen. Und immer noch der Regen, der an die Fenster klopft. Beruhigend, aber ich hoffe auch, dass ich in diesem Sommer noch einmal draußen schlafen kann. Im Garten. Oder auf dem Balkon. Auf dem Vordach - das habe ich noch nie gemacht, fällt mir dabei ein. Und ich falle hoffentlich nicht herunter. Und mir wollen die Augen nicht zufallen, das gefällt mir nicht. Falls doch, schlafe ich ohnehin nicht lange. Aber morgen, morgen Abend gehe ich müde ins Bett.

Irgendwann kommt er. Unausweichlich. Der Augentod. Unscharfes Bild im Kopf. Leichtes Vibrieren. Ich mache jetzt den Rechner aus, ich sehe mir den Rest der Dämmerung an, Ganz langsam kriecht sie. Ich grüße die Sonne, die irgendwann doch alle erreicht und auch Herrn K., der mich mittlerweile mit Missachtung straft - jeder bekommt, was er verdient. Wer unfreundlich zu mir ist, der bekommt ein Lächeln, alle andere auch. Ich mache keine Ausnahmen, zumindest nicht beim Lächeln. Und jetzt klappe ich den Rechner zu und wünsche allen einen entspannten Start in die Woche. Und meine Augen brauchen Ruhe.

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