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Geschichten und Gedanken




Zombie und Spaß
geschrieben am: Sunday, 10. January 2010, 18.42 Uhr

Das Tagebuch

Es ist erst ein Drittel des ersten Monats verstrichen, aber ich habe das Gefühl, als wäre ein Drittel des Jahres vorbei. Andere Städte, andere Gesichter, andere Bühnen, wenig Zeit und viel zu tun, noch mehr Ideen und geringe Temperaturen, Husten und jede Menge Lächeln, Trophäen und Tiefpunkte, nächtliche Exkursionen und die Unendlichkeit im Genick. Es ist freilich ein gutes Gefühl, das mich fortwährend begleitet und es ist auch gut zu wissen, dass ich mich selbst begleite, wenn ich auf Reisen bin. Es ist gut, dass ich mit dem Tragbaren unterwegs bin, mitten in Würzburg sitzen darf, vor mich hin denke und Gedanken in Worte kleiden kann, ohne dass es jemand bemerkt. Es ist gut, einfach nur da zu sein und dabei genau zu wissen, wohin und worum es mir geht. Ich komme vorwärts, ich trabe mein Lächeln wie eine Lanze, auch wenn nicht immer jeder mit ähnlicher Bewaffnung unterwegs ist. Zombies, denke ich mir, überall Zombies, die die Lust am Leben an irgendeiner Pforte abgegeben haben, die vollkommen aus den Augen verloren haben, wie viel Spaß das Leben machen kann, wenn man einfach mal auf ein paar Dinge pfeift, die weder musikalisch noch physikalisch oder emotional in das Leben passen. Natürlich darf man alles ernst nehmen, aber man muss es nicht wichtig nehmen. Oder umgekehrt, das weiß ich gerade nicht. Eines von beiden reicht in jedem Fall, dessen bin ich mir sicher. Ist wirklich alles so schlimm, dass Menschen mit Versteinerungen im Gesicht durch die gebrauchte Luft treiben müssen. Fragezeichen. Es gibt immer einen Grund zum Klagen, ich könnte dem Amtsgericht davon einiges erzählen - aber was will man mir nehmen? Meine Gedanken? Die behalte ich in meinem Kopf, sie sind unbezahlbar. Mein Leidenschaft gehört mir, meine Freude und mein Lächeln - damit trete ich den Untoten entgegen, die sich breitmachen, als wollten sie der Schweinegrippe Konkurrenz machen. Überall schlecht gelaunte Menschen, die seit Jahren darob schimpfen, dass es nicht mehr Winter wird - und jetzt nervt sie das Weiß, das gar nicht mehr wegzugehen droht. Menschen, die verbittert an Haltestellen stehen und darauf warten, dass sie abgeholt werden, sich beklagen, dass sie kein Geld haben, während sie Tabak verbrennen, dessen Rückstände in der Lunge ein Zuhause finden, während die Menschen sich selbst als heimatlos empfinden, weil sie niemals ankommen. Und immer diese Zeitnot, alle kommen permament zu spät, verpassen vielleicht ihren eigenen Tod, weil sie ihr Leben verschlafen, während sie fortwährend klagen und nach unsinnigen Erklärungen graben, statt einfach mal ganz entspannt zu genießen, was die Tage bringen und sie Rosinen aus dem Kuchen picken, statt am verbrannten Boden zu nagen. Denke ich. Jeder wird ja auf eine ganz andere Art und Weise sehr glücklich. Und bleibt unglücklich. Zombies und Untote haben vielleicht auch ihren Spaß, der sich mir nur eben einfach nicht erschließt, weil ich mit meinem blöden Lächeln und der dusseligen guten Laune auf der falschen Seite stehen.

 

Ja, Lübeck war wirklich schön. Schon wieder. Ich muss beim Slamarama auch gar nicht gewinnen, wenn ich so wundervolle Komplimente nach dem Bühnengang bekomme. Einen größeren Lohn kann es kaum geben, wenn ich zudem vorher mit den Größen wie Gauner, Clara Nielsen, dem Freund Dominik Bartels, Moritz Neumeier, Thomas Langkau, Sabrina Schauer sowie großartigen Neueinsteigern oder lokalen Größen die Bühne geteilt habe. Spät in der Nacht noch zu sitzen und einfach nur zu reden, zu lachen und Nico Semrott beim Vertilgen meiner Chips zuzusehen, das ist dann schon alles, was ich erwarte. Manchmal versteht dann auch irgendjemand meinen Humor, so dass ich nicht allein lachen muss. Das ist fein. Wirklich. So fein wie der Schnee, der nicht aufhören will, zu fallen. Und ich mag das.

 

Grüße. An die oben genannten Damen und Kerle, weil sie einfach fantastisch sind und bleiben. An Lübeck und das mir wohlgesonnene Publikum, an Würzburg, weil ich dort gerade bin und an die mich begleitende Unendlichkeit. Und an mich. Ausnahmsweise.

 

Die Fotos und Filme kommen später, ich habe mal wieder die entsprechenden Kabel irgendwo liegen lassen, was nichts Neues ist, aber durchaus einer Erwähnung bedarf. Glaube ich. Notiz an mich: Kopf hat Löcher, dringend stopfen - es leckt Unfug aus den Ritzen.

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