Irgendwo in Bielefeld, ganz entspannt am Tragbaren sitzend und mit den Gedanken beim neuen Buch. Das kleine Gepäckstück liegt neben mir, ich bin in mir und weitgehend zufrieden, weil sich die Dinge meistens ganz zauberhaft entwickeln, wenn ich auf meine Instinkte höre oder mich schlicht von ihnen leiten lasse. Einiges muss ich auch über Bord werfen, ich kann nicht immer alles mitnehmen. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft, da gehört es zum guten Ton einigen Dingen den Laufpass zu geben. Manchmal ohne einen Grund, manchmal um etwas aufzuräumen und Platz zu schaffen, manchmal auch deswegen, um Erinnerungen aus dem Weg zu gehen. Dabei kleben Erinnerungen nicht an Dingen, sondern in uns selbst, ich muss mich ihnen täglich stellen und trete ihnen lächelnd gegenüber, begrüße sie freundlich und verabschiede mich auch wieder von ihnen mit dem Satz: "Schön, dass es euch gibt, ich genoss die Zeit." Nicht so einfach, aber mittlerweile ganz leicht. Statt Dinge wegzuwerfen, sollten die Menschen wieder lernen, etwas aufzubewahren - in sich selbst. Das Maß ist nicht darin zu finden, dass ein Ende schrecklich ist, sondern dass die Zeit zuvor ein Gedicht war, des Reime noch heute die Gefühlssaiten klingen lassen und dessen Metaphern Tränen in die Augen schicken. Ist das schlecht? Ist es schlimm, etwas zu vermissen, zu trauern? Nein. Es ist schwierig, es fällt nicht immer leicht, aber es wird mit der Zeit einfacher, wenn wir Dinge aufbewahren und ihren Wert kennen, statt sie einfach wegzuwerfen. Telefone haben keinen Wert, Thermometer auch nicht, Briefe sind wertlos, auch wenn darauf etwas geschrieben steht, aber die Gedanken und Gefühle einfach wegzuwerfen, das ist dann ganz im Sinne der Gesellschaft, die sich eilig ernährt und immer m Zeitdruck ist, der es an der Ruhe fehlt, sich selbst zu begegnen. Ich werfe eine Menge Dinge weg, gerade in diesen Tagen. Aber ich bewahre weitaus mehr in mir auf, das weil mich die Gefühle und nicht die Materialien tragen.
Vom Lautsprecher zum Laber Rhabarber - in Lemgo war es schön, wenn der Lokalkolorit auch ein wenig zu viele Überhangmandate besaß, so dass Dominik und Micha und ich ein wenig irritiert waren. Im Finale zog der El-Goehre dann blank und machte mit Edwin alles platt, was sich ihm in den Weg stellte. Ein würdiger Sieger des letzten Lautsprecher-Slams in Lemgo, im Januar bin ich dann beim neuen und ersten Laber Rhabarber mit dabei - dazu kommt, dass ich dort auch noch einen Solo-Abend im Februar bestreiten werde. Lemgo ist freundlich, da freue ich mich schon auf das kommende Jahr. Nachhaltig.
Verdammt. Die Steuern. Dieser administrative Mist raubt mir mal wieder den letzten Nerv.
Hatte ich schon erwähnt, dass es in den Kammerspielen am Montag wirklich wundervoll war? Dass das Niveau wieder erschreckend hoch war und dass die Stimmung diesmal wahrhaftig brodelte, weil der Saal keinen Sitzplatz mehr bot? Nein. Jetzt aber. Und es gibt noch eine ganz subjektive, aber nicht unsympathische Betrachtung, eine Rezension der anderen Art: >> hier klicken <<
Heute Abend geht es weiter nach Essen und morgen sehe ich mal zu, dass ich nach Hause komme. Da gibt es so viel zu tun und ich bin froh, wenn ich einiges davon hinter mir gelassen habe. Aufbewahren werde ich aber dennoch eine ganze Menge.
Grüße an das Beat-Café-Team, an Nico und an Steffi, an Dominik und Micha, an Hagen und Thomas und an die WG in der Neustädter Straße, an Lemgo und an die Bahn nach Essen. Ha. |
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Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
Feuerbrüder - 30 Geschichten um und über das Leben, über die Liebe und über das, was wir nicht sagen, wenn wir etwas sagen. Einfühlsame Momente gemischt mit Brutalität, die jeder kennt, der das Leben kennt. Emotionale Szenen gepaart mit den Gedanken über Engel, Teufel und das Göttliche.
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