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Geschichten und Gedanken




Vielen Dank, Borken
geschrieben am: Sunday, 27. December 2009, 08.53 Uhr

Das Tagebuch

Im Nachhinein kann ich nicht mehr genau sagen, wo ich gewesen bin. Klar, ich kenne den Namen, vielleicht sogar die Adresse, ja, ich weiß, dass ich in Borken war, aber ich kann eben nicht genau sagen, wo das liegt. Das ist der Nachteil, wenn ich mit Bahn und Bus und Taxi unterwegs bin. Ob Borken nun nördlich, südlich oder himmelwärts von Münster gelegen ist, kann ich demnach nicht beurteilen, aber ich kann genau sagen, dass der Grenz-Slam eine ganz feine Veranstaltung war. Mit tollen Poeten, einem zahlenmäßig reichhaltig besetztem Publikum. Mit großartigem Essen und einem brillanten Küchenchef. Mit vielen bezaubernden Menschen, die ich gar nicht alle kennen lernen konnte, weil mir am Ende einfach die Zeit fehlte. Einfach. Wenn es immer alles so einfach wäre. Und am Ende war es dann alles viel zu schnell, am Ende wusste ich auch gar nicht, wie mir geschah und dann denke ich auch sofort, dass das doch alles ungerecht ist, dass da so viele, wirklich gute Poeten sind und das es nicht in Ordnung ist, dass nun einer gewinnen kann. Das denke ich jetzt auch noch, aber das ist nun mal mein Problem. Meine Wahrnehmung. Auch wenn mich der Erfolg beschwingt, so packt mich immer wieder die Demut und ich versuche, klein zu bleiben oder mich klein zu halten. Ganz friedlich. Zu groß zu werden, ist auch gar nicht gesund. Für mich. Und kleine Brötchen sind viel geschmacksintensiver, als die großen. Glaube ich. 

Neben dem Freund Dominik und dem längst bekannten Andy Strauß durfte ich unter anderem auch zum ersten Mal mit Johanna Wack, Michael Feindler und Hanno Fischer die Bühne teilen - es war mir ein Fest, es war einfach schön, es war einfach so, wie Slam sein sollte. Empfinde ich. Mehr davon. Immer mehr. Danke. Bitte. Gern geschehen. Ich mich auch.

 

Und noch eine kurze Information an mein Ego und meine mangelnde Affinität zu Zahlen: 4.17 Uhr ist ganz sicher nicht 4.47 Uhr, da kann ich mir einreden, so viel ich will, das passt einfach nicht. Falls ich beim nächsten Mal einen derart frühen Zug erwischen will, dann sollte ich mir noch einmal genau ansehen, wann er fährt und mich nicht auf mein Hören-Sagen verlassen. Und schon gar nicht auf meine blinden Augen. Zweieinhalb Stunden auf dem Bahnhof in Münster zu verbringen, ist auch keine Beschäftigung, der ich permanent nachkommen möchte. Nicht, dass ich irgendetwas gegen Münster und seinen Bahnhof hätte, aber um fünf Uhr ist es angenehmer, ein wenig zu schlafen, als in einem Döner-Laden zu sitzen und rülpsenden Menschen beim Sprechen zuzuhören. Es kann auch umgekehrt gewesen sein. Wie auch immer: Vielen Dank, Borken.

 

Grüße. An Dominik und an die Cellistin, an Michael und an Johanna, an Hanno und all die anderen Slammer, an Borken und an den freundlichen Taxi-Fahrer, der meine Internetadresse gar nicht kennt, aber das ist mir jetzt egal. An die Cellistin und den Frieden sowie an Lucie und an die Vorfreude auf die Insel und damit auch Grüße an Sylt. Auf Sylt. Zu. Egal.  Bis später.

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Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
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