schriftstehler

Geschichten und Gedanken




Torsten
geschrieben am: Tuesday, 05. January 2010, 07.41 Uhr

Das Tagebuch

Ich weiß wirklich nicht, ob der Mann, dessen Schädel ich heute im Gepäck habe, Wert auf einen weiteren Buchstaben in seinem Vornamen legt. Gib mir ein "h"? Ich weiß es nicht, aber ich habe den goldenen Schädel im Gepäck, der nach ihm benannt wurde, ich habe Torsten, den Nachnamen Sträter kann ich unerwähnt lassen, weil er beim Totenkopf keine Rolle spielt, er wird auf den Vornamen reduziert, bei dem ich aber vor wenigen Sekunden herausfand, dass ich instinktiv richtig lag. Immer die Sache mit der inneren Stimme, auf die ich freilich viel häufiger hören würde, wenn sie mal ein wenig lauter intervenierte. Und manchmal redet sie auch einfach Unsinn, denn Wuppertal mag mich. Zumindest mochten sie mich gestern, daran führte kein Weg vorbei. Wieder habe ich großartige Poeten kennengelernt oder schlicht zum wiederholten Mal getroffen. Und ich werde sie wieder treffen, wenn ich das will, und, ja, ich will. Ich muss allerdings nicht jedes Mal Torsten in meinen Sack stecken, einmal reicht vollkommen. 

Außerdem. Ich hatte eine derart hinreißende gastfreundliche Unterkunft bei Christian, dass ich noch ganz gerührt bin, einen Schüttelkaffee heute Morgen mitnehmen zu dürfen und kaue zudem in Gedanken eines der von ihm kredenzten Brötchen, die mich durch den gedanklichen Frühsport bringen werden.  Es kann nicht immer so grandios sein, aber wenn es so ist, dann kann ich nur in einer Mischung aus Demut und Begeisterung lächeln, weil es eben auch noch solche Menschen wie ihn gibt. Zauberhaft. Danke.

 

Angeblich bin ich in drei Stunden zu Hause, ich fühle mich aber schon jetzt so wohl, als wäre ich in meiner Dachkammer. Halt, Korrektur, der Zug hat jetzt eine Stunde Verspätung, weil da irgendetwas verstört ist. Vielleicht der Zugführer, vielleicht jemand ganz anderes. Aber auf die Stunde kommt es nun auch nicht mehr an, ich bin bald zu Hause und dann genieße ich mal die Ruhe. Absichtlich.

 

Grüße. An Anke Fuchs, an Fabienne, an Özlem und an Sina, an Roger und Link, an David und Andre und, ja, auch Wuppertal - wer hätte das gedacht. Und dann noch an meine Heimat und an die Cellistin, die nun zwischenzeitlich mal wieder ihren Mitbewohner ertragen muss. Die Unendlichkeit hat mich im Nacken gepackt, und ich bin immer noch sicher, dass sie mich hier eines Tages einfach abholen.

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