Du meine Güte. Immer wieder Dortmund. Gut, es ist das zweite Mal, aber an diesem Bahnhof möchte ich nicht ein drittes Mal stranden. Vielleicht dann, wenn die Umbauten abgeschlossen sind, aber bis dahin wünsche ich mir, dass mich die Bahn mit derlei Aktionen verschont. Zunächst wird mein früher Zug, der keinen Wurm, aber mich fangen sollte, in Duisburg einfach gestrichen. Eine knappe halbe Stunde später gab es einen Zug, bei dem ich umsteigen musste. In Hannover. Bis dahin kam ich allerdings nicht, denn in Dortmund war für die Hamburger Fraktion der Reisenden Endstation, weil der Anschlusszug in Hannover ersatzlos gestrichen wurde. Zwei Streichungen an einem Tag, das machen nur Politiker mit wichtigen Steuerkürzungen. Oder die Bahn. Ich mussund will mich nicht beklagen, aber zwei Stunden mehr Schlaf wäre mir sehr zupass gekommen. So werde ich heute Abend ein wenig übernächtigt in Bremen sein, was aber auch nicht sonderlich schlimm ist. Nicht sonderlich. Jubeln werde ich allerdings erst, wenn ich wieder in der Dachkammer bin und mit dem heimischen Rechner an den Start gehen kann.
Im Molotow werde ich nie gewinnen, aber mir immer wieder Bestätigung abholen. Der Slam war fulminant besetzt und am Ende war ein junge Mann ganz oben, der den überfüllten - und an diesem Abend auch noch verrauchten - Kellerraum zum Überkochen brachte. Mit Sahba stand endlich auch mal wieder ein Sieger fest, der mehr zu bieten hatte als simplen Klamauk. Dass ich an diesem Abend nicht leer ausging, war ganz sicher auch ein wenig glücklich, aber gefreut habe ich mich dennoch. Wenngleich es kein Vergleich zu dem war, was ich gestern Abend erlebte. In der Stadt, in der mein großer Held Hanns-Dieter Hüsch seine Wurzel hat - wenngleich sein Lebensbaum mittlerweile nur noch in der Erinnerung existiert. Es gab beim Slam in Moers eines der schönsten Finals seit langem, meinen tiefsten Respekt und untertänigsten Dank an Sevi und Micha El Goehre - viel mehr kann ein Poetry-Slam wohl nicht bieten und das haben die Zuschauer auch vollauf honoriert. Rundum gelungen war das Ganze schon allein deshalb, weil mit Mike ein hingebungsvoller und engagierter Moderator am Start war und die gesamte Veranstaltung durch eben jenen diesen welchen und Steffi fein organisiert wurde. Zu guter Letzt hagelte es dann auch noch eine umfassende Diskussion bis kurz vor fünf in der Steffi-Küche, die vor allen Dingen für die eine Sache stand. Äh, oder für mehrere. Egal, wenn ich einen Slam empfehlen kann, dann die kuschelige Veranstaltung in Moers.
In zwei Stunden bin ich zu Hause, dann kann ich doch noch einmal kurz ein paa Dinge tauschen und Gedanken festhalten. Und ich kann einen neuen Text auswendig lernen, den ich heute Abend eventuell brauchen kann. Je nachdem, wie es für mich heute Abend ausgeht.
Grüße. An Sevi und Micha, an Steffi und Mike, an Julia und an die restlichen Slammer des Abends, an den Freund Dominik, für den ich noch eine Überraschung ausgemacht habe und an die Unendlichkeit, die im Gepäck bleibt. Unendlich eben. |
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Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
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