Hilfe. Oder: Hilfe! Auf der Reise bin ich, aber es wurde doch noch ein wenig hektisch. Weil ich meine Zeit für Bergheim zu knapp bemessen hatte, dumm wie ich manchmal bin. Manchmal. Und dann musste es eben ganz schnell gehen: Mit einem Sprint bei vollem Gepäck inklusive Gitarre erreiche ich noch den Zug bis Horrem. Immerhin. Dort warte ich in Gegenwart dummer und hässlicher Menschen auf den nächsten Regionalzug, der sich aus unerfindlichen Gründen verspätet und mich warten lässt, mich auf die Folter spannt und mich noch einmal zu einem Spurt antreibt, um in Windeseile und mit fliegenden Hosenbeinen den Zug und das Gleis zu wechseln. So weit, so gut, denke ich, frage nach dem Bahn-Comfort-Bereich, eile zeitlich passend zum Wagen meiner Begierde und werde von einer Horde Hansa-Rostock-Fans mit wütenden Scheiß-St-Pauli-Rufen empfangen. Ich schüttele nur den Kopf und denke mir meinen Teil: Dass sie abgestiegen sind und ihre geballten Fäuste eher auf sexuelle Vorlieben, denn auf Zorn hindeuten, weil Fußballfans doch in der Regel den Sport lieben und nicht die Gewalt. Denke ich mir. Und wechsle im Laufschritt noch einmal den Wagen, die Anhänger der Ostsee-Stadt verfolgen mich verbal und ich winke ihnen freundlich zu. Immerhin trennt uns nicht nur Intellekt und die Größe der heimischen Städte, sondern auch Friedfertigkeit und Gewaltbereitschaft sowie die Bundesliga und die 3. Liga. Ich gieße also kein Öl in die Flammen und lächle, ohne mich noch einmal umzudrehen. Einzig die Frage, woher die jungen Männer - nein, Frauen waren nicht anwesend - von meiner Vorliebe für die Kiez-Kicker wussten, plagt mich, denn schließlich bevorzuge ich keinen Fußballverein, weil es mich ermüdet, halbnackten Männern beim Laufen über den Rasen zuzuschauen oder zuzujubeln. Dafür ist mir meine Zeit zu schade. Seltsame Menschen gibt es, meistens sind sie Fußballfans oder Politiker oder Autoverkäufer, Versicherungskaufleute oder andere Menschen. Dumme Menschen. Die gibt es überall. Auch unter Künstlern, keine Frage.
Bergheim war übrigens sensationell. Da fahre ich wieder hin. Schon allein weil ich in der Pflicht bin. Bin ich. |
| 266 mal gelesen | - Alle Beiträge - Das Archiv |
Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
Feuerbrüder - 30 Geschichten um und über das Leben, über die Liebe und über das, was wir nicht sagen, wenn wir etwas sagen. Einfühlsame Momente gemischt mit Brutalität, die jeder kennt, der das Leben kennt. Emotionale Szenen gepaart mit den Gedanken über Engel, Teufel und das Göttliche.
Das neue Buch - jetzt bei Amazon oder überall im Handel.
Letzte Kommentare