Ordnung und Luschen

Wilder Tag, ein wirklich wilder Tag. Und auch wenn mein Magen und mein Darm mir nicht wohl gesonnen waren, so habe ich dennoch das Beste darauf gemacht. Das Beste. Hm. Ja, ich denke, dieser Tag war gut. Vielleicht ist er nur gut geworden, weil mich B. zwischendurch geweckt hat, aus der depressiven Lethargie riss. Eine Lusche sei ich. Lusche. Na, prima. Normalerweise – zauberhaftes Wort – mache ich nach so einem Wort die Augen und den Kopf zu, schließe ab und lasse nichts mehr raus und rein. Heute war das anders. Komplett. Auf die Zähne gebissen habe ich, den Kopf in den Nacken geworfen – Haare fliegen dann ja nicht durch den Raum – und die Augen sowie andere Körperteile zusammengekniffen, um mich der Arbeit und dem restlichen Unbill zu stellen. Heute Abend sieht dann plötzlich alles positiv aus, weil ich so viel geschafft habe. Und trotz der hektischen Läufe in mein Badezimmer habe ich durchgehalten. Lusche? Pah, nicht ich. Selber Lusche, Frau B.! Und seltsam ist das alles. Und vielleicht kriege ich das alles doch noch hin. Und am Ende lächle ich dann auch noch. Herrjeh.

So. Und dann suchte ich heute einen Umschlag. Einen Umschlag mit einem Foto und einer Visitenkarte. Und ich wusste ganz genau, dass ich ihn auf den Schreibtisch gelegt hatte, ganz sicher war ich mir. Alles habe ich umgegraben, fein säuberlich gesiebt und wieder gegraben – nichts. Bis mir einfiel, dass ich manchmal Umschläge auch auf die Treppe lege, weshalb ich dann alle Treppenstufen von den Zeitungen und Umschlägen befreien musste – ohne Erfolg. Bis mir dann einfiel, dass der Umschlag auch noch seit Dezember in meinem Rucksack liegen könnte. Immerhin fand ich dort auch noch ein Schreiben von einer Versicherung, dass mein Steuerberater so dringend braucht – und den Umschlag mit dem Foto. Gut. Aber warum muss das immer so umständlich sein? Könnte nicht mal jemand mein Chaos in den Griff bekommen, meine Strukturschwäche nimmt Überhand. Ich finde zwar Rechtschreibfehler, wenn ich danach suche und hin und wieder auch mal ein Sparbuch, das mir nicht gehört. Aber. Ach. Nein. Das geht so nicht. Und ich frage mich ernsthaft, wie andere Menschen das machen, wie sie Ordnung in ihrem Leben, in ihrem Kleiderschrank und ihrem Kopf halten. Wobei ich nach dem internen Umzug gar keinen Kleiderschrank mehr habe - kein Wunder, wenn ich keine Socken und Strümpfe mehr finde. Hrmpf.

Ph. Heute hat mir der Mann meiner Mutter seine Hilfe angeboten und ich sollte mich mal eine halbe Stunde mit ihm vernünftig unterhalten. Ha. Vernünftig. Ich weiß nicht, on das möglich ist. In letzter Zeit muss ich immer grinsen, wenn ich ihn sehe und ich kann nicht sagen, woran das liegt. Bei Peter Sellers muss ich auch immer grinsen, aber bei dem ist mir klar, warum. Dieses barmherzige Hilfsangebot hat letztlich auch nur einen Zweck: Meine Missstände aufzudecken und sein Konzept auf einen Sockel zu stellen. Dass mir keine verbalen Konstrukte sondern Taten weiterhelfen. Allein das zu erklären würde eine halbe Stunde dauern, aber ich werde mich als freundlicher Mensch präsentieren und so tun, als hörte ich im zu. Morgen, vielleicht. Und dann werde ich mit dem Kopf nicken und sagen, dass das eine wirklich gute Idee sei, genau so könne man das alles machen. Dann bringe ich auf mysteriöse Weise mein Telefon zum Klingeln, täusche ein wichtiges Gespräch vor und verschwinde mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen. Ja, das ist eine gute Idee.

Äh. Wie? Ach so, ja, richtig. Meine Brille habe ich auch wieder auf der Nase. Und wenn mein Magen am meisten schmerzt, dann ist Hui Buh zur Stelle. Feine Sache, wahrlich.

Jetzt langt es aber – Grüße! An AltA mit dem Blick auf die neue SFA, an das beste Ypsilon von allen, das den Weg gefunden hat – gut, wirklich. An den kleinen König, der das Rückspiel gewinnen wird, fürchte ich. An die Firma Popp in Kaltenkirchen, denn der Kartoffelsalat ist durchaus verbesserungswürdig. Durchaus dringend. An B., weil ein Weckruf hin und wieder ganz gut ist. Hin und wieder, Mensch! Und schließlich noch an die Fußballer, die sich hierher verirren: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst – oder so ähnlich. Mein Lächeln bahnt sich inzwischen seinen Weg, ich glaube, ich schreibe nur noch Tagebuch, um mich aufzuheitern. Ein ganz neuer Aspekt, vielleicht lasse ich das patentieren.

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