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Geschichten und Gedanken

Das Tagebuch

Mach fünf oder tu dies

vom 25. August 2010, 13.04 Uhr

Das Tagebuch

Damals, als noch alles besser war und wir einsilbig das Haus verließen, um an anderen Orten zu übernachten, damals, als ich noch süß, der Regen aber sauer war, damals, als die Welt schon von allem wusste, aber keine Lust hatte, etwas zu tun, damals gab es zwei Klingen. Das ist wirklich lange her, denn das Teufelswerk hieß "Gillette G2 Tandem" und war mitnichten ein Fahrrad, sondern ein Geniestreich der Technik, bei dem es die Entwickler schafften, zwei messerscharfe Klingen in einen Rasierer zu verbauen und damit... weiterlesen




Verlorene Verlierer

vom 16. August 2010, 04.43 Uhr

Das Tagebuch

Mein wunder Kopf reibt sich die warmen Glieder, bleibt nutzlos liegen und ohne irgendeinen Plan beginnt er zu sprechen, fragt sich selbst und andere, erwartet keine Antwort und blickt beschämt zu Boden, als jemand lacht und mit dem Finger auf ihn zeigt. Mein wunder Kopf beginnt dann doch zu lächeln, nickt noch einmal in die Runde, bittet um Entschuldigung, weil kein Platz mehr sei, um sich Platz zu nehmen und etwas zum Platzen zu bringen, was längst überfällig ist. Und so zerbirst er ungefragt, betrifft all die, die namenlos sich... weiterlesen




Wenn die Götter streiten

vom 14. August 2010, 14.32 Uhr

Das Tagebuch

Hätte ich nicht zweifelsfrei ein mehr als adäquates Heim, so zöge ich in der DB-Lounge in Köln mit meiner Schrankwand ein, die ich gar nicht habe. Aber zu diesem Zweck kaufte ich mir eine, nur zu diesem Zweck. Auch andere Orte sind schön, aber hier in Köln fühle ich mich fast schon heimisch, bin fast ein wenig pikiert, wenn mein Lieblingsplatz durch jemand anderen besetzt ist. Doch wie bei allen anderen Dingen bin ich... weiterlesen

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Stille oder Gesang

vom 07. August 2010, 21.10 Uhr

Das Tagebuch

Ich bin dann doch schwach geworden. Zu verlockend war die Aussicht, kurz das heimische Bett zu besuchen, um dann am nächsten Morgen weiter zu fahren. Auf dem Weg nach Hause, eine nach unter der eigenen Decke, auf der eigenen Matratze ist kostbar. Durst ist nicht schlimmer als Heimweh, da gibt es andere Dinge, die mir mehr fehlen. Definitiv. Ich bin gern unterwegs, aber ich noch lieber zu Hause. Mir fällt gerade der Urlaub... weiterlesen




Umkippende Universen

vom 05. August 2010, 14.47 Uhr

Das Tagebuch

Unterwegs. Wie immmer. Diesmal allerdings nicht nur im Kopf, sondern wieder einmal körperlich. Unterwegs von Köln nach Stuttgart, im Kopf reise ich durch ein Haus, das von so vielen Menschen bewohnt wird, dass ich sie nicht zählen kann. Sie reden alle. Gleichzeitig. Nicht mit mir, aber sie reden. Die meisten Menschen haben verlernt, wie es ist, einfach zu schweigen. Sitzen. Sein. Im Haus in meinem Kopf sind viele solcher... weiterlesen




Gehen oder bleiben

vom 30. July 2010, 16.23 Uhr

Das Tagebuch
Manchmal wünschte ich, dass ich etwas vergessen hätte, mich umdrehen und sagen könnte: „Entschuldigung, aber ich kann noch nicht gehen, ich muss noch bleiben.“ Ich muss. Mit schwerem Herzen sticht auch niemand in See, es sei denn, er will untergehen. Mit Blei in den Knochen versucht auch niemand, zu fliegen, es sei denn, er will abstürzen. Und wenn alles schmerzt, dann ergibt Frohsinn keinen Sinn, weil ja am Ende doch alles ertrinkt. Dann sind sie wieder da, die glänzenden Perlen, die sich nicht fangen lassen und... weiterlesen



Parabel mit Widerhaken

vom 29. July 2010, 12.15 Uhr

Als der Angestellte Herr Koll kurz vor dem Festessen auf der Weihnachtsfeier der Firma Hugendubel, die seit über 75 Jahren Markisen für Marktstände und kleine Einzelhandelsbetriebe herstellt, als Herr Koll also mit ruhigen Schritten und einem Blatt Papier in der Hand an das Rednerpult trat, da tuschelten die meisten der Anwesenden, einige kicherten, zwei Personen standen auf und wollten den Raum verlassen. Herr Koll hatte mittlerweile das Mikrofon erreicht, das Inhaber Bernd Hugendubel noch vor wenigen Augenblicken für seine... weiterlesen



Kleinstteilchen

vom 26. July 2010, 17.04 Uhr

Das Tagebuch

Wer mich zerlegt, lernt mich dabei auch nicht besser kennen, wenn er auf den Einzelteilen herumtritt. Zumal gar nicht sicher ist, ob diese kleinen Teilchen von mir sind. Aber, mein Freund, wenn du konsequent wärest, dann lehntest du alles ab und nähmest nicht das, was dir passte, um den Rest zu zerstören. Wenn du ehrlich wärest, dann sprächest du aus, was dich bewegte und wenn du mutig wärest, dann machte dich nicht die Masse stark, sondern du dich selbst. Wenn du das alles verstündest, dann bräuchte ich gar nicht mit dir zu... weiterlesen

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Ich nicke nur

vom 25. July 2010, 13.07 Uhr

Das Tagebuch

Es gibt dann freilich auch Tage, die ich nicht kennenlernen möchte, mich aber gegen die Bekanntschaft nicht wehren kann. Gut, diese Beziehung ist ja immer nur temporär, wir sind im Grunde genommen flüchtige Bekannte, die sich nicht einmal an den Händen halten, sondern lediglich im selben Raum sind, aber manchmal würde ich gern darauf verzichten. Bis 18 Uhr war das gestern so, da hätte ich den Tag gern ins Exil geschickt und darauf gehofft, dass im Land in meinem Kopf kein Putsch stattfindet und der Staatsfeind Nummer eins nicht... weiterlesen




Wer hat Angst vor wem?

vom 20. July 2010, 20.14 Uhr




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Es ist an der Zeit, die Wahrheit zu sagen, nichts zu verschweigen.“Die Wahrheit”, sagt mein Bruder, “die Wahrheit ist die beste Lüge, denn niemand wird dir glauben.” Niemand wird mir glauben, davon bin ich überzeugt, aber ich habe mir sein jenem Abend selbst versprochen, nur noch die Wahrheit zu sagen. Nichts anderes als die Wahrheit, auch wenn mir kein Gott helfen kann. (aus "Feuerbrüder")
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